Kolumne · Brunos Kolumne

Zwischen Flipflops und Wollsocken – meine Landung im Herbst

Der Sommer verabschiedet sich, die Abende werden früher dunkel und Bruno braucht eine Weile, bis er im Herbst ankommt. Zum Glück hat die graue Jahreszeit auch helle Seiten.

Inhalt

  1. Der Körper bemerkt den Wetterwechsel
  2. Die Dunkelheit kommt näher
  3. Der Herbst nimmt nicht nur
  4. Kleine Häfen in der Woche
  5. Die Wollsocken übernehmen

Ich stehe am Küchenfenster und sehe zu, wie der Wind an der Markise zieht. Unter der Garderobe liegen noch die Flipflops. Daneben stehen bereits die festen Schuhe.

Der Sommer ist nicht mit einem großen Abschied gegangen. Eines Morgens war die Luft einfach kühler, und am Abend brauchten wir früher Licht.

Der Körper bemerkt den Wetterwechsel

Mit den Jahren meldet sich der Herbst nicht nur im Kalender. Das Knie wird steifer, der Rücken mag keine Zugluft, und morgens dauert es etwas länger, bis alles in Bewegung kommt.

Helga sagt, regelmäßige Bewegung helfe. Ich antworte, ich bewege mich regelmäßig zwischen Küche und Wohnzimmer. Sie erkennt das nicht als ausreichendes Programm an.

Also gehe ich eine kleine Runde. Nicht schnell und nicht weit. Danach sind die Gelenke noch dieselben, aber der Kopf fühlt sich freier an.

Bei anhaltenden oder stärkeren Beschwerden hilft natürlich kein flotter Spruch. Dann gehört die Ursache ärztlich geklärt.

Die Dunkelheit kommt näher

Schwieriger als die Kälte finde ich die frühen Abende. Im Sommer fühlt sich um acht Uhr noch vieles möglich an. Im Herbst sieht der Tag um dieselbe Zeit aus, als hätte er längst Feierabend gemacht.

Manchmal setzt sich dann eine stille Melancholie mit an den Tisch. Sie erinnert an vergangene Sommer, an Menschen und Orte. Das ist nicht immer schlecht. Nur sollte sie nicht jeden Stuhl besetzen.

Mir hilft es, morgens möglichst Tageslicht zu bekommen und Verabredungen nicht ständig auf später zu verschieben. Ein Anruf, ein Kaffee oder ein kurzer Spaziergang geben der Woche feste Punkte.

Wenn die Stimmung über längere Zeit sehr gedrückt bleibt, Freude verloren geht oder der Alltag kaum noch gelingt, ist Unterstützung wichtig. Herbst und Winter erklären nicht jedes seelische Tief.

Der Herbst nimmt nicht nur

An manchen Tagen zeigt sich die Jahreszeit von ihrer guten Seite. Die Luft ist klar. Blätter leuchten in Farben, die kein Sommer zustande bringt. Zu Hause riecht es nach Suppe, Tee und Äpfeln.

Die Welt wird leiser. Schritte auf dem Gehweg sind wieder zu hören, und auf dem Sofa liegt eine Decke, unter der Matze bereits Besitzansprüche angemeldet hat.

Vielleicht muss ich nicht auf den nächsten Sommer warten. Der Herbst bietet andere Freuden. Man muss sie nur kleiner suchen.

Kleine Häfen in der Woche

Helga nennt das „schöne Termine“. Ich nenne es lieber kleine Häfen. Ein gemeinsames Essen, ein Buch, Musik oder ein Besuch bei Freunden. Nichts Großes. Nur etwas, auf das man sich freuen kann.

Auch die Hände brauchen Beschäftigung. Eine Schublade reparieren, Fotos sortieren oder etwas kochen. Wer etwas tut, erlebt den Tag anders, als wenn er nur auf besseres Wetter wartet.

Natürlich gibt es auch Nachmittage, an denen die Decke gewinnt. Das ist erlaubt. Ausruhen und Aufgeben sind nicht dasselbe.

Die Wollsocken übernehmen

Am Ende räume ich die Flipflops in den Schrank. Nicht feierlich, nur ordentlich. Die Wollsocken bekommen den Platz davor.

Matze prüft inzwischen die Heizung und sieht mich vorwurfsvoll an. Einige Dinge ändern sich mit der Jahreszeit, andere bleiben zuverlässig gleich.

Der Sommer kommt wieder. Bis dahin möchte ich mein Leben nicht in eine Warteschleife stellen. Ich ziehe eine Jacke an, gehe noch einmal vor die Tür und lasse den Herbst seinen eigenen Platz bekommen.

Die Landung war etwas holprig. Aber ich bin angekommen.