Kolumne · Brunos Kolumne Silvester-Böller : Wenn sogar das Katzenklo zittert
Für Menschen ist Feuerwerk ein kurzer Spaß. Für viele Tiere beginnt schon Stunden vorher eine lange Nacht voller Angst. Bruno erlebt sie mit seinen beiden Katern.
Inhalt
Silvester soll ein Abend voller Hoffnung sein. Gute Vorsätze, Umarmungen und ein Blick nach vorn. Bei uns beginnt er mit einem Knall am Nachmittag und einem Kater, der erschrocken aus seinem Katzenklo schießt.
Das Tier landet mehr schlecht als recht im Flur und verschwindet unter dem Bett. Sein Kollege sitzt bereits hinter dem Sofa. Für beide ist klar: Die Wohnung ist plötzlich kein sicherer Ort mehr.
Die Angst beginnt lange vor Mitternacht
Feuerwerk hält sich selten an einen genauen Zeitplan. Erst knallt es vereinzelt, später alle paar Minuten. Für Tiere gibt es keine Erklärung und keine Vorfreude auf bunte Lichter. Es gibt nur unberechenbaren Lärm.
Unsere Kater suchen sich enge, dunkle Stellen. Ich möchte sie herauslocken und beruhigen. Helga hält mich zurück. „Lass sie dort, wo sie sich sicher fühlen.“
Sie hat recht. Wir bleiben in der Nähe, sprechen ruhig und zwingen keinen von beiden auf den Schoß.
Ein ruhiger Raum hilft ein wenig
Wir schließen Fenster und Vorhänge. Im ruhigsten Zimmer stehen Wasser, Futter und ein gut erreichbares Katzenklo. Vertraute Decken und offene Transportboxen bieten zusätzliche Verstecke.
Leise Musik dämpft die Außengeräusche etwas. Vollständig verschwinden die Knaller natürlich nicht. Wir versuchen, den Abend möglichst normal zu gestalten.
Wer weiß, dass sein Tier große Angst hat, sollte frühzeitig mit einer Tierarztpraxis sprechen. Dort kann geklärt werden, welche Unterstützung geeignet ist. Beruhigungsmittel für Menschen gehören niemals auf eigene Faust in ein Tier.
Auch draußen ist Vorsicht nötig
Freigängerkatzen sollten in der Zeit rund um Silvester möglichst rechtzeitig ins Haus geholt werden. Hunde gehören an eine sichere Leine, auch wenn sie sonst zuverlässig hören. Ein plötzlicher Knall kann jedes Tier in Panik versetzen.
Türen und Fenster müssen gut geschlossen bleiben. Eine aktuelle Kennzeichnung und Registrierung kann helfen, falls ein Tier trotzdem entläuft.
In der Familie sprechen wir vorher ab, wer bei den Tieren bleibt. So wird nicht erst um kurz vor zwölf darüber gestritten.
Der Morgen danach
Am Neujahrsmorgen ist es still. Auf der Straße liegen Papphülsen und Reste von Raketen. Das Geld ist verschwunden, der Müll geblieben.
Unsere Kater kommen langsam aus ihren Verstecken. Einer prüft vorsichtig das Katzenklo. Der andere verlangt Frühstück, als wolle er den normalen Betrieb wiederherstellen.
Ich mag schöne Lichter am Himmel. Was ich nicht mag, ist der stundenlange private Dauerlärm davor und danach. Ein zeitlich begrenztes, professionell organisiertes Feuerwerk wäre für mich die vernünftigere Lösung. Es wäre planbarer und würde die Belastung zumindest verkürzen.
Rücksicht ist kein Spaßverbot
Traditionen dürfen hinterfragt werden, wenn andere den Preis dafür zahlen. Dazu gehören Tiere, empfindliche Menschen, Einsatzkräfte und alle, die nachher den Müll wegräumen.
Bis sich etwas ändert, bereiten wir die Wohnung so gut wie möglich vor. Wir geben den Katern Rückzug, bleiben ruhig und hoffen, dass der nächste Knall weiter entfernt ist.
Silvester dauert für Menschen eine Nacht. Für ein verängstigtes Tier kann jede Minute darin sehr lang sein. Ein wenig Rücksicht nimmt niemandem die Freude am neuen Jahr. Sie sorgt nur dafür, dass andere es ebenfalls gut erreichen.


