Kolumne · bohnebein co die lesesitcom Paket für die Falschen – Bohnebein, Folge 2
Ein Paket liegt im Hausflur. Alle wissen: Es gehört niemandem. Also gehört es allen.
Inhalt
Paket für die Falschen
Cold Open, 12:03 Uhr. Hausflur. Ein Karton steht vor der Treppe. Neutral. Still. Bedrohlich.
Bruno starrt ihn an, als könnte er explodieren. Helga fotografiert ihn sofort. Rob (älter) pfeift leise, als würde er eine Szene kommentieren. Heinz kniet bereits daneben – nicht aus Neugier, aus Prinzip.
Helga: „Ich poste: ‘Mystery-Paket im Hausflur’.“ Bruno: „Du postest gar nichts. Das ist Beweismaterial.“ Rob: „Beweismaterial wofür?“ Bruno: „Für die Theorie, dass der Hausflur uns hasst.“
Heinz klopft zweimal auf den Karton. „Stabil. Gute Pappe.“ Helga: „Heinz, du bewertest gerade Pappe.“ Heinz: „Pappe ist der Anfang von Ordnung. Oder ihr Ende.“
Szene 1: Zuständigkeitsschach. Frau Schmitt (2. Stock) kommt raus, Lockenwickler wie immer im Einsatz. Frau Schmitt: „Steht das da schon lange?“ Bruno: „Zu lange.“ Helga: „Seit drei Minuten.“ Bruno: „Drei Minuten Hausflur sind wie drei Jahre Ehe.“
Herr Klee (Warnweste, weil er Warnwesten liebt) schaut aus seiner Tür. „Das ist bestimmt meins.“ Bruno: „Dann nimm’s.“ Herr Klee: „Ich hab aber nichts bestellt.“ Rob: „Das sagen alle kurz vor der Katastrophe.“
Helga zoomt mit dem Handy auf das Etikett. „Da steht… ‘An: B. B.’“ Bruno: „B. B. Das bin ich.“ Rob: „Oder Beyoncé.“ Heinz: „Oder ‘Boden-Belastung’. Das Paket steht falsch.“
Bruno hebt den Karton an. Schwer.
Bruno: „Das ist kein Paket. Das ist eine Aussage.“
Szene 2: Das Hausflur-Gericht. Heinz erklärt ohne Wahl: „Wir eröffnen die Hausflur-Sitzung.“
Helga: „Wir haben jetzt Hausflur-Sitzungen?“ Heinz: „Seit eben.“
Rob: „Ich liebe Bürokratie. Die tötet jede Freude zuverlässig.“
Bruno: „Frage: Wer hat’s bestellt?“ Helga: „Vielleicht du. Du vergisst doch ständig—“ Bruno: „Ich vergesse nie. Ich verdränge nur professionell.“
Frau Schmitt: „Mach doch auf!“ Bruno: „Im Hausflur? Das ist ja wie vor Gericht die Beweise anfassen!“ Rob: „Man darf’s. Wenn’s lustig wird.“
Helga: „Ich hab eine Schere.“ Bruno: „Du hast immer eine Schere.“ Helga: „Das nennt man vorbereitet sein.“ Bruno: „Das nennt man gefährlich.“
Szene 3: Unboxing als Krieg. Helga schneidet auf. Der Karton öffnet sich. Alle beugen sich drüber wie über eine Truhe.
Drinnen: Luftpolsterfolie. Viel. Zu viel. Heinz: „Übertrieben.“ Rob: „Das ist nicht Verpackung. Das ist Angst.“
Helga greift rein, zieht etwas raus. Ein Riesenpaket… Luftballons.
Stille.
Bruno: „Was.“ Helga: „Ballons.“ Rob: „Feierlichkeit in Kartonform.“ Heinz: „Das ist Müll. In bunten Farben.“
Frau Schmitt: „Hat jemand Geburtstag?“ Bruno: „Nicht, dass ich wüsste.“ Helga: „Doch! In deiner Familie hat immer irgendwer Geburtstag. Das ist wie Wetter.“ Bruno: „Das ist nicht Wetter. Das ist Erpressung mit Kuchen.“
Szene 4: Matze als Brandbeschleuniger. Matze taucht auf, steckt den Kopf in den Karton. Und zieht ganz langsam einen Ballon raus. Mit den Zähnen. Wie eine Trophäe.
Helga: „NEIN! Matze, nicht—!“ PENG. Der Ballon platzt.
Frau Schmitt schreit. Herr Klee duckt sich. Heinz flucht leise, aber sehr präzise. Rob lacht einmal kurz. Trocken. Perfekt.
Bruno: „So. Jetzt haben wir Alarmstufe Luft.“
Helga: „Ich weiß jetzt, warum die Dinger so verpackt waren.“ Rob: „Weil sie wissen, wo sie wohnen.“
Tag / Cliffhanger Bruno wühlt im Karton weiter. Unter der Folie liegt ein Zettel.
Er liest.
Bruno: „ ‘Alles Gute zum Geburtstag, Bruno. Liebe Grüße: Helga.’ “ Helga: „…“ Bruno: „Helga.“ Helga: „Das war… ein Testlauf.“ Rob: „Ein Testlauf fürs Vergessen?“ Heinz: „Katastrophe bestätigt.“
Bruno schaut hoch. Und sagt ruhig:
„Mein Geburtstag ist im… April.“


