Kolumne · Bohnebein & Co.

Paket für die Falschen – Bohnebein & Co., Folge 2

Ein unbekannter Karton steht im Hausflur. Niemand hat etwas bestellt, aber alle fühlen sich zuständig – besonders Matze.

Inhalt

  1. Ein Karton im Hausflur
  2. Das ganze Haus berät mit
  3. Sehr viel Luft im Karton
  4. Matze prüft die Ware
  5. Eine Überraschung mit Vorwarnung

Ein Karton im Hausflur

Mittags stand vor unserer Treppe ein großes Paket. Es trug unseren Nachnamen, aber keiner wollte es bestellt haben.

Ich betrachtete den Karton aus angemessenem Abstand. Helga fotografierte das Etikett. Rob hob ihn kurz an und erklärte, er sei schwer genug, um Ärger zu enthalten.

Heinz kniete bereits daneben und prüfte die Pappe.

„Gute Verarbeitung“, sagte er.

„Es ist ein Karton“, erinnerte Helga ihn.

„Ordnung beginnt mit einer brauchbaren Verpackung.“

Auf dem Etikett stand nur „B. Bohnebein“. Das konnte eigentlich nur ich sein. Trotzdem erinnerte ich mich an keine Bestellung.

Das ganze Haus berät mit

Frau Schmitt aus dem zweiten Stock kam die Treppe herunter und fragte, ob das Paket schon lange dort stehe.

„Seit fünf Minuten“, sagte Helga.

„Also zu lange“, ergänzte ich.

Herr Klee öffnete seine Tür. Zuerst glaubte er, der Karton könne ihm gehören. Dann fiel ihm ein, dass er nichts bestellt hatte. Nun wollte er trotzdem wissen, was darin war.

Innerhalb weniger Minuten standen sechs Menschen um ein fremdes Paket. Jeder hatte eine Meinung, aber niemand eine Rechnung.

„Wir machen es auf“, entschied Helga.

„Im Hausflur?“

„Bruno, es trägt deinen Namen. Wir bergen es nur.“

Sehr viel Luft im Karton

Helga holte eine Schere. Im Paket lag zunächst eine große Menge Luftpolsterfolie. Darunter befanden sich mehrere Beutel mit bunten Luftballons.

Heinz sah enttäuscht aus. „Dafür so ein Karton?“

Frau Schmitt fragte sofort, wer Geburtstag habe. Alle sahen mich an.

„Ich nicht“, sagte ich. „Jedenfalls nicht vor April.“

Helga wurde auffällig still.

Rob bemerkte es ebenfalls. „Du weißt etwas.“

„Ich habe vielleicht früh eingekauft“, sagte sie. „Es gab ein Angebot.“

„Drei Monate früh?“

„Vorbereitung ist kein Verbrechen.“

Heinz nickte zum ersten Mal anerkennend.

Matze prüft die Ware

Während wir diskutierten, sprang Matze in den Karton. Er schob die Luftpolsterfolie beiseite und zog einen Ballon heraus.

„Matze, nein“, rief Helga.

Der Ballon platzte zwischen seinen Zähnen.

Frau Schmitt schrie auf, Herr Klee duckte sich und Heinz ließ beinahe seinen Zollstock fallen. Matze selbst sprang einen halben Meter zurück und sah uns an, als hätten wir den Lärm verursacht.

Rob brauchte eine Weile, bis er wieder sprechen konnte. „Die Qualitätskontrolle ist abgeschlossen.“

Ich hob den beschädigten Ballon auf. „Damit fehlen bei meinem Geburtstag schon die ersten Gäste.“

Eine Überraschung mit Vorwarnung

Unter der letzten Lage Folie lag eine Karte: „Alles Gute zum Geburtstag, Bruno. Liebe Grüße, Helga.“

„Du hast sogar die Karte mitbestellt?“

Helga zog die Schultern hoch. „Sie war kostenlos.“

Damit war meine Überraschungsfeier drei Monate vorher bekannt, ein Ballon zerstört und das ganze Haus eingeladen.

Wir trugen den Karton in die Wohnung. Frau Schmitt kündigte an, im April Kuchen mitzubringen. Herr Klee wollte sich um die Stühle kümmern. Heinz bot an, die Ballons nach Größe zu sortieren.

Nur Matze hatte genug von der Feier. Er saß oben auf der Treppe und hielt Abstand zu dem Paket, das angeblich für die Falschen gekommen war und am Ende das ganze Haus beschäftigte.