Kolumne · Erinnerungen

Nexos – Brunos Hund fürs Leben

Bevor die Katzen kamen, gab es Nexos: einen großen Hund mit sanftem Wesen, fast 15 Jahre an Brunos Seite und eine Erinnerung, die noch immer durch den Flur zu laufen scheint.

Inhalt

  1. Ein großer Hund mit sanftem Wesen
  2. Unser gemeinsamer Wald
  3. Der Hüter unserer Ruhe
  4. Als die Wege kürzer wurden
  5. Schwere Pfoten in der Erinnerung

Ein großer Hund mit sanftem Wesen

Bevor Matze und die anderen Katzen unser Zuhause übernahmen, gab es Nexos. Er war ein Dalmatiner-Doggen-Mix mit langen Beinen, großen Pfoten und einem freundlichen Gesicht.

Als er zu uns kam, dachte ich, ich würde ihm zeigen, wie das Leben funktioniert. Später merkte ich, dass es oft umgekehrt war. Nexos brachte einen festen Takt in unseren Alltag. Er wusste genau, wann es Zeit für Futter, eine Runde oder Feierabend war.

Er war nicht kastriert und konnte an der Leine erstaunliche Kräfte entwickeln, wenn eine interessante Hündin in der Nähe war. Dann brauchte es beide Hände und einen sicheren Stand. Böse war er nie. Er hatte nur sehr viel Begeisterung in einem sehr großen Körper.

Unser gemeinsamer Wald

Am liebsten war Nexos im Wald. Ich fuhr mit dem Fahrrad, er lief nebenher. Kilometerweit hielt er sein ruhiges Tempo. Zwischen Kiefern, Moos und Feldwegen brauchten wir keine Unterhaltung.

Wenn ein Reh auftauchte, blieb er nach einigem Training zuverlässig bei mir. Darauf war ich stolz. Noch schöner war der Augenblick danach, wenn er mich ansah, als hätte nicht er eine Prüfung bestanden, sondern wir beide.

Mit Wasser konnte Nexos zunächst wenig anfangen. Er umrundete Pfützen und blieb vor Bächen stehen. An einem heißen Tag legte Helga sein Spielzeug an den flachen Rand eines Baches. Erst setzte er eine Pfote hinein, dann die zweite. Schließlich stand er bis zum Bauch im Wasser und schaute uns an, als hätte er einen Ozean bezwungen.

Der Hüter unserer Ruhe

Zu Hause legte Nexos oft den Kopf auf meine Schuhe. Wenn ich abends noch über Papieren saß, brachte er manchmal seine Leine. Nicht wild oder fordernd. Er machte nur deutlich, dass der Tag jetzt etwas anderes brauchte.

Mit ihm ging ich vor die Tür, auch wenn ich keine Lust hatte. Danach war der Kopf meist klarer. Ein Hund fragt nicht, ob ein Spaziergang in den Zeitplan passt. Er erinnert einen daran, dass die Welt draußen weitergeht.

Als die Wege kürzer wurden

Nexos wurde fast 15 Jahre alt. Seine Schnauze wurde weiß, die Sprünge kleiner und die Spaziergänge langsamer. Trotzdem bestand er auf seiner Runde durch den Garten. Er prüfte den Zaun, sah in den Himmel und kam dann wieder zu uns.

An einem seiner letzten guten Tage saßen wir gemeinsam auf einer Bank am Waldrand. Helga strich ihm über die Ohren. Ich erzählte ihm irgendetwas von der See. Er hörte so ruhig zu wie immer.

Der Abschied tat weh. Helga weint heute noch, wenn sie von ihm erzählt. Ich auch. Dafür muss sich niemand schämen. Trauer zeigt, dass ein Tier nicht nur im Haus, sondern im Leben gewohnt hat.

Schwere Pfoten in der Erinnerung

Manchmal hören wir in Gedanken noch seine Schritte im Flur. Ein bestimmter Waldweg, Tannenduft oder eine große gefleckte Pfote auf einem Foto genügt, und Nexos ist wieder nah.

Wir brauchen keine Liste von Ritualen, um ihn zu bewahren. Wir erzählen seine Geschichten. Wir erinnern uns an die Pfützen, die er umging, und an den Bach, den er schließlich betrat. Wir gehen gelegentlich seinen alten Weg.

Wenn abends das Fenster offensteht und Waldluft hereinkommt, sage ich manchmal: „Gute Nacht, alter Freund.“ Eine Antwort brauche ich nicht. Fast 15 gemeinsame Jahre klingen lange nach.