Kolumne · Brunos Viertelrunde Mieten und Nebenkosten – wenn die Kosten Wettrennen spielen
Die Wohnung ist nicht größer geworden, doch die Abrechnung wird immer schwerer. Bruno und seine Viertelrunde schauen genauer hin: Was steckt hinter den Nebenkosten, was kann man prüfen und wo ist Hilfe besser als stilles Grübeln?
Inhalt
Ein dünner Umschlag mit schwerem Inhalt
Mama Linde stellte die Kaffeekanne auf den Tisch und legte einen Brief daneben.
„Die Betriebskostenabrechnung“, sagte sie. „Der Umschlag wiegt fast nichts. Der Inhalt liegt mir trotzdem auf dem Magen.“
Helga nickte. Sie kannte dieses Gefühl. Erst liest man die neuen Zahlen, dann sucht man nach dem Fehler und am Ende fragt man sich, ob man im vergangenen Winter versehentlich den Marktplatz mitgeheizt hat.
Viele ältere Menschen leben seit Jahren in derselben Wohnung. Die Räume sind vertraut, die Nachbarn bekannt, Erinnerungen hängen an den Wänden. Ein Umzug ist deshalb nicht einfach eine Rechenaufgabe. Umso belastender ist es, wenn die monatlichen Kosten steigen oder plötzlich eine hohe Nachzahlung verlangt wird.
„Die Wohnung ist nicht größer geworden“, sagte Mama Linde. „Nur die Rechnung.“
Kaltmiete und Nebenkosten sind nicht dasselbe
Heinz zog einen Stift aus der Tasche und malte zwei Kästen auf einen Zettel.
In den ersten schrieb er Kaltmiete. Das ist der vereinbarte Preis für die Wohnung selbst. In den zweiten schrieb er Nebenkosten. Dazu können laufende Kosten für Heizung, Warmwasser, Wasser, Müllabfuhr, Hausreinigung, Gartenpflege, Hausmeister oder den Strom in gemeinsam genutzten Bereichen gehören.
Welche Kosten tatsächlich abgerechnet werden dürfen, hängt vom Mietvertrag und den gesetzlichen Regeln ab. Verwaltung, Reparaturen und Instandhaltung gehören nicht einfach als Betriebskosten auf die Abrechnung. Trotzdem lässt sich am Kaffeetisch nicht jeder einzelne Posten sicher beurteilen.
„Darum muss man nicht Jura studieren“, sagte Kittel Geli. „Man muss nur merken, wo man nicht weiterweiß.“
Eine Abrechnung sollte verständlich zeigen, welche Kosten entstanden sind, wie sie auf die Wohnungen verteilt wurden, welche Vorauszahlungen bereits geleistet wurden und wie sich das Ergebnis zusammensetzt. Wer einen Posten nicht versteht, darf nachfragen und kann um Einsicht in die zugrunde liegenden Belege bitten. Bei Unsicherheit helfen Mieterverein, Verbraucherberatung oder eine andere fachkundige Stelle.
Wichtig ist, den Brief nicht wochenlang ungeöffnet liegen zu lassen. Für Einwände und andere Schritte können Fristen gelten. Wer früh hinschaut, hat mehr Möglichkeiten.
Nicht jede Steigerung liegt am eigenen Verbrauch
Düse betrachtete Mama Lindes Abrechnung. Einige Kosten konnte sie selbst beeinflussen, andere kaum.
Heizung und Warmwasser hängen zum Teil vom persönlichen Verbrauch ab. Auch richtiges Lüften und gut eingestellte Heizkörper können einen Unterschied machen. Andere Beträge entstehen durch Gebühren, Dienstleistungen oder den Zustand des Hauses. Wenn Fenster und Wände viel Wärme verlieren, kann ein einzelner Bewohner das nicht mit besonders tapferem Frieren ausgleichen.
„Klug heizen heißt nicht, in der Wohnung mit Mütze zu sitzen“, sagte Düse.
Das gefiel Mama Linde.
Niemand sollte sich für steigende Kosten schämen oder automatisch die Schuld bei sich suchen. Sinnvoller ist ein ruhiger Vergleich: Welche Position ist gestiegen? Hat sich der eigene Verbrauch verändert? Wurde der Verteilerschlüssel richtig angewendet? Stimmen die bereits gezahlten Abschläge?
Manchmal erklärt ein kalter Winter oder ein höherer Preis die Summe. Manchmal steckt ein Ablesefehler dahinter. Und manchmal bleibt eine Frage offen, die nur die Vermietung oder eine Beratungsstelle klären kann.
Gemeinsam sieht man mehr
Helga erzählte, dass sie ihre letzte Abrechnung mit unserer Nichte geprüft hatte. Die Nichte kann gut mit Tabellen umgehen. Helga weiß dafür, welcher Heizkörper seit Jahren nur oben warm wird. Zusammen fanden beide schneller die richtigen Fragen.
Familie oder vertraute Freunde können helfen, Zahlen zu sortieren und Schreiben aufzusetzen. Dabei sollte der Mensch, um dessen Wohnung es geht, immer mitentscheiden. Hilfe bedeutet nicht, dass andere plötzlich das Kommando über Heizung, Konto und Zuhause übernehmen.
Geli schlug eine einfache Vorgehensweise vor. Zuerst legt man Mietvertrag, aktuelle Abrechnung und die Abrechnung vom Vorjahr nebeneinander. Dann markiert man nur die Stellen, die unklar sind oder stark abweichen. Aus diesen Markierungen werden konkrete Fragen.
„Nicht alles gleichzeitig lösen“, sagte sie. „Erst verstehen, dann handeln.“
Wenn eine Nachzahlung nicht auf einmal bezahlt werden kann, sollte man ebenfalls früh das Gespräch suchen und sich beraten lassen. Möglicherweise kommen eine Ratenzahlung oder staatliche Hilfen infrage. Welche Unterstützung passt, hängt von der persönlichen Lage ab.
Sparen, ohne sich das Wohnen abzugewöhnen
Natürlich kann man den eigenen Verbrauch prüfen. Dauerhaft gekippte Fenster bei laufender Heizung sind selten eine gute Idee. Ein tropfender Wasserhahn sollte repariert werden. Alte Geräte können unnötig viel Strom brauchen.
Aber ein Zuhause ist kein Versuchslabor, in dem jeder angenehme Moment weggespart werden muss. Es geht nicht darum, nur noch im Dunkeln zu sitzen, kalt zu duschen und den Kühlschrank abzuschaffen. Gute Entscheidungen beginnen mit Überblick, nicht mit Angst.
Mama Linde nahm den Stift und zog einen Kreis um zwei Posten, die deutlich höher waren als im Vorjahr. Sie wollte am nächsten Tag bei der Vermietung nachfragen. Geli bot an, dabei zu sein.
„Und wenn die Zahlen stimmen?“, fragte Mama Linde.
„Dann wissen wir wenigstens, woran wir sind“, sagte Geli. „Und überlegen den nächsten Schritt.“
Der Umschlag lag noch immer auf dem Tisch. Leichter war er nicht geworden. Aber er sah nicht mehr ganz so bedrohlich aus.
Manche Rechnungen verlieren ihren Schrecken nicht dadurch, dass sie kleiner werden. Sondern dadurch, dass man sie nicht mehr allein ansehen muss.


