Kolumne · Brunos Meckerkiste Knäckebrot vor der Beißluke – Die große Handy-Apokalypse
Beim gemeinsamen Essen liegen mehr Handys als Servietten auf dem Tisch. Bruno möchte keine Technik verbieten, aber Gesichter wieder wichtiger nehmen als Bildschirme.
Inhalt
Gemeinsam und doch woanders
Wir sitzen am Tisch. Das Brot knackt, der Kaffee dampft, aber drei Köpfe schauen nach unten. Nicht auf den Teller, sondern auf ihre Handys. Einer liest Nachrichten, einer sieht ein Video, einer beantwortet etwas „nur ganz kurz“. Aus vielen kurzen Blicken wird ein langer stiller Abend.
Ich bin nicht gegen Handys. Sie helfen bei Fahrplänen, Fotos, Kontakt und Notfällen. Doch ein nützliches Gerät kann sich breitmachen, wenn niemand ihm Grenzen setzt.
Der Ton, der immer wichtiger klingt
Jede Nachricht meldet sich, als hinge der Weltfrieden davon ab. Oft ist es nur ein Angebot oder ein neues Bild. Trotzdem greift die Hand automatisch zum Gerät. Das ist kein Zeichen schlechten Charakters. Viele Anwendungen sind genau darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit zurückzuholen.
Wer dauernd unterbrochen wird, hört schlechter zu. Gespräche verlieren ihren Faden. Besonders schmerzhaft ist das für Menschen, die sich auf einen Besuch gefreut haben und plötzlich mit einem Bildschirm um Aufmerksamkeit konkurrieren.
Keine Predigt aus der alten Zeit
Auch ältere Menschen können am Handy hängen. Helga kennt sich mit kurzen Videos besser aus als mancher Enkel. Darum hilft kein erhobener Zeigefinger gegen „die Jugend“. Das Problem sitzt in allen Generationen.
Besser ist eine gemeinsame Regel. Sie gilt für jeden, auch für Bruno. Wer einen dringenden Anruf erwartet, sagt kurz Bescheid. Dann fühlt sich niemand abgewiesen.
Ein Platz für die Geräte
Bei uns liegen die Handys während des Essens auf einer Ablage außerhalb der Hand. Der Ton ist aus, wichtige Kontakte dürfen im Notfall trotzdem durchkommen. Nach dem Essen kann jeder nachsehen, was angeblich nicht warten konnte.
Bei Besuchen vereinbaren wir wenigstens eine bildschirmfreie Zeit. Eine halbe Stunde reicht, um wirklich anzukommen. Danach zeigt der Enkel gern seine Fotos, und dann schauen wir sogar gemeinsam auf das Gerät.
Brunos Friedensvertrag
Die Welt geht nicht unter, wenn ein Handy für eine Weile stillliegt. Meist wartet dort nichts, was wichtiger ist als der Mensch am Tisch.
Ich will Technik nicht aus dem Haus werfen. Ich will ihr nur den richtigen Platz geben. Das Handy darf helfen, verbinden und unterhalten. Beim Knäckebrot hält es jedoch die Beißluke. Da reden wir wieder selbst.


