Kolumne · Über Bruno

Ich bin Bruno – der mit dem Augenzwinkern

Früher stand Bruno auf der Brücke eines Marineschiffs, heute sitzt er mit Kaffee und Schreibmaschine am Küchentisch. Was geblieben ist: Klartext, Verantwortungsgefühl und die Überzeugung, dass Humor den Alltag leichter macht.

Inhalt

  1. Ein paar Worte zu mir
  2. Was von der Marine geblieben ist
  3. Warum ich schreibe
  4. Humor gehört dazu
  5. Die Menschen an meiner Seite
  6. Was du von mir erwarten darfst

Ein paar Worte zu mir

Ich heiße Bruno Bohnebein. Früher trug ich Uniform und war bei der Deutschen Marine. Heute trage ich meistens eine Strickjacke, eine Lesebrille mit Fingerabdrücken und gelegentlich zwei verschiedene Hausschuhe, bis Helga mich darauf hinweist.

Ich mag starken Kaffee, warmes Licht und Dinge, die ein hörbares Klack machen, wenn sie richtig eingerastet sind. Bei Geräten ohne Knöpfe werde ich misstrauisch. Helga sagt dann, ich müsse mit der Zeit gehen. Ich antworte, die Zeit könne ruhig kurz erklären, wohin.

So läuft das bei uns. Helga hält mich offen für Neues, ich halte die lockere Schraube am Küchenschrank fest. Und Kater Matze hält sich aus allem heraus, solange sein Napf pünktlich gefüllt wird.

Was von der Marine geblieben ist

Die Jahre auf See haben mich geprägt. Nicht nur durch Dienstgrade, Schiffe und die besondere Art, bei schlechtem Wetter trotzdem geradeaus zu gehen. Ich habe gelernt, dass Verantwortung oft unspektakulär aussieht.

Man ist vorbereitet. Man hört genau hin. Man sagt klar, was zu tun ist. Und wenn etwas schiefgeht, sucht man zuerst eine Lösung und erst später einen Schuldigen.

Diese Haltung habe ich mit an Land genommen. Ich brauche heute keine Kommandobrücke mehr, um ein Lagebild zu erstellen. Ein wackelnder Teppich, ein unverständlicher Brief oder ein Handy, das plötzlich etwas von einem Kennwort wissen will, reichen völlig aus.

Allerdings musste ich auch lernen, dass nicht jeder Küchentisch eine Schiffsbrücke ist. Helga reagiert auf Befehle ungefähr so gut wie Matze auf die Bitte, vom Sofa aufzustehen. Im Zivilleben erreicht man mit einer freundlichen Frage oft mehr als mit einer besonders geraden Haltung.

Das war für mich eine wichtige Lektion.

Warum ich schreibe

Ich schreibe, weil der Alltag nicht unnötig schwer sein sollte. Gerade im Alter begegnet man vielen Dingen, die angeblich ganz einfach sind. Ein neuer Antrag, ein digitales Kundenkonto, eine Verpackung mit Kindersicherung oder eine Bedienungsanleitung, die offenbar für Menschen mit drei Händen geschrieben wurde.

Dann braucht es keine großen Worte. Es braucht jemanden, der ruhig hinschaut und die Sache verständlich erklärt.

Dabei möchte ich niemanden behandeln, als könne er nichts mehr. Ältere Menschen haben ein Leben lang Entscheidungen getroffen, Familien versorgt, gearbeitet, Krisen überstanden und Lösungen gefunden. Nur weil ein Gerät neu ist oder ein Amt einen unverständlichen Brief schickt, ist diese Erfahrung nicht verschwunden.

Manchmal fehlt nur ein Einstieg. Ein erster kleiner Schritt. Oder ein Mensch, der sagt: „Komm, wir schauen uns das gemeinsam an.“

Genau so möchte ich schreiben.

Humor gehört dazu

Humor ist für mich keine Dekoration. Er hilft, wenn eine Situation unangenehm wird. Man kann über eine eigene Panne lachen und sie trotzdem ernst nehmen. Man kann über Bürokratie schimpfen und danach den Antrag ausfüllen. Beides passt zusammen.

Wichtig ist mir, dass wir miteinander lachen und nicht übereinander. Ein schlechter Tag, ein unsicherer Schritt oder eine Frage, die andere für selbstverständlich halten, sind kein Grund für Spott.

Ich kenne selbst genug Momente, in denen der Kopf klar war, aber das Knie anderer Meinung. Oder in denen ich eine halbe Stunde nach meiner Brille gesucht habe, während sie auf meinem Kopf saß.

Helga hat in solchen Fällen die seltene Gabe, gleichzeitig mitfühlend und sehr zufrieden auszusehen.

Die Menschen an meiner Seite

Ohne Helga wäre vieles hier trockener, altmodischer und technisch ungefähr auf dem Stand einer guten Schreibmaschine. Sie probiert Neues aus, stellt Fragen und sagt mir, wenn ein Satz zu sehr nach Dienstanweisung klingt.

Auch Familie, Freunde und Nachbarn gehören zu meinen Geschichten. Jeder sieht etwas anderes. Einer erkennt die Gefahr, der nächste versteht die Technik, und jemand anderes merkt, dass ein Mensch gerade vor allem Ruhe braucht.

Diese verschiedenen Blicke sind wertvoll. Niemand muss alles allein können. Kinder und Enkel können bei digitalen Dingen helfen. Die Älteren bringen Erfahrung und oft den besseren Blick dafür mit, was im echten Alltag überhaupt gebraucht wird.

Hilfe funktioniert aber nur mit Respekt. Nicht über den Kopf eines Menschen hinweg, sondern gemeinsam mit ihm.

Was du von mir erwarten darfst

Ich verspreche keine Wunder. Ich werde auch nicht so tun, als gäbe es für jedes Problem drei schnelle Schritte und danach sei das Leben wieder aufgeräumt.

Ich verspreche etwas anderes: klare Worte, ehrliche Grenzen und Lösungen, die in einer normalen Wohnung funktionieren. Wenn eine Fachperson gebraucht wird, sage ich das. Wenn etwas unnötig teuer oder kompliziert erscheint, schaue ich genauer hin. Und wenn ich mich irre, darf das ebenfalls gesagt werden.

Vor allem möchte ich, dass man sich nach dem Lesen nicht kleiner fühlt, sondern ein wenig sicherer.

Vielleicht ist das mein eigentlicher Kurs geworden. Früher musste ein Schiff ans Ziel kommen. Heute möchte ich Gedanken so aufschreiben, dass Menschen damit weiterkommen.

Der Kaffee steht bereit, die Schreibmaschine klappert und Matze hat den besten Platz besetzt. Es kann also losgehen.