Kolumne · Brunos Viertelrunde

Heizlüfter statt Heizung – Spartipp oder Stromfalle?

Stecker rein, warme Luft, Problem gelöst? Helgas neuer Heizlüfter macht das Wohnzimmer schnell gemütlich. Düse sieht jedoch schon die Stromrechnung kommen, und Heinz entdeckt mehr als nur ein Kabel auf dem Teppich.

Inhalt

  1. Helgas kleine Steckdosensonne
  2. Zwei Kilowattstunden bleiben zwei Kilowattstunden
  3. Heinz sieht das Kabel
  4. Frieren ist auch keine Lösung
  5. Wärme mit Augenmaß

Helgas kleine Steckdosensonne

An einem kalten Abend entdeckte ich in unserem Wohnzimmer ein neues Gerät. Es war klein, weiß und blies warme Luft in Richtung Sofa.

Helga saß daneben und sah sehr zufrieden aus.

„Was ist das?“, fragte ich.

„Ein Heizlüfter.“

„Das sehe ich. Warum wohnt er jetzt bei uns?“

Helga erklärte, sie habe ihn im Internet gefunden. Sofort warm, einfache Bedienung, besonders sparsam – so stand es in der Werbung. Außerdem sei das Wohnzimmer am Boden immer ein wenig kühl.

„Der war herabgesetzt“, sagte sie.

Dieser Satz hat in unserem Haushalt schon häufiger Dinge erklärt, aber selten ihre späteren Kosten.

Der Heizlüfter brummte. Die Luft wurde tatsächlich schnell wärmer. Für einen Moment verstand ich, warum solche Geräte beliebt sind. Man steckt sie ein, drückt einen Knopf und muss nicht lange warten.

Dann kam Düse zu Besuch.

Zwei Kilowattstunden bleiben zwei Kilowattstunden

Düse beugte sich über das Typenschild. „Zweitausend Watt“, las er vor.

Das bedeutet: Läuft das Gerät eine Stunde mit voller Leistung, verbraucht es zwei Kilowattstunden Strom. Den Preis kann jeder mit seinem eigenen Stromtarif ausrechnen. Man nimmt zwei Kilowattstunden und multipliziert sie mit dem Preis pro Kilowattstunde.

Eine Stunde fällt vielleicht nicht stark auf. Mehrere Stunden jeden Abend ergeben am Monatsende jedoch eine stattliche Summe. Ein kleiner Kasten kann einen großen Hunger haben.

„Aber er macht doch sofort warm“, sagte Helga.

„Das stimmt“, antwortete Düse. „Er spart nur nicht automatisch Geld.“

Ein Heizlüfter erzeugt Wärme direkt aus Strom. Das funktioniert zuverlässig, ist für längeres Heizen aber häufig teuer. Besonders fragwürdig sind kleine Geräte aus der Onlinewerbung, die ein ganzes Zimmer für fast kein Geld heizen sollen. Wärme lässt sich nicht herbeizaubern. Ein Gerät mit wenig Leistung verbraucht weniger, gibt aber auch weniger Wärme ab.

Für einen kurzen Einsatz kann ein Heizlüfter trotzdem nützlich sein. Ein kleines Bad lässt sich damit vor dem Duschen rasch anwärmen. Bei einem vorübergehenden Ausfall der Heizung kann er helfen, die Zeit bis zur Reparatur zu überbrücken. Als täglicher Ersatz für die Heizung ist er meist keine gute Lösung.

Heinz sieht das Kabel

Während Düse rechnete, betrachtete Heinz nicht das Typenschild, sondern den Boden.

„Teppich, Vorhang, Zeitung und eine Mehrfachsteckdose“, sagte er. „Fehlt nur noch jemand, der eine Decke darüberlegt.“

Heizlüfter werden sehr warm und brauchen Abstand zu allem, was Feuer fangen kann. Sie sollten fest und frei stehen, nicht umkippen können und nicht mit Kleidung oder Decken bedeckt werden. Während des Betriebs gehört jemand in die Nähe. Beim Schlafengehen oder Verlassen der Wohnung wird das Gerät ausgeschaltet.

Leistungsstarke Heizgeräte sollten außerdem nicht über irgendeine alte Mehrfachsteckdose oder ein zusammengerolltes Verlängerungskabel betrieben werden. Wenn Steckdose, Stecker oder Kabel ungewöhnlich warm werden, verfärbt sind oder beschädigt aussehen, wird das Gerät nicht weiter benutzt. Bei Zweifeln sollte eine Elektrofachkraft prüfen, ob Anschluss und Leitung geeignet sind.

Heinz zog den Stecker aus der Mehrfachleiste und steckte das Gerät direkt in eine Wandsteckdose, die frei zugänglich war.

„Ein Heizlüfter ist kein Lagerfeuer“, sagte Helga.

„Richtig“, antwortete Heinz. „Ein Lagerfeuer brummt nicht und hat kein Kabel.“

Frieren ist auch keine Lösung

Bei aller Rechnerei darf man eines nicht vergessen: Niemand sollte in der eigenen Wohnung aus Angst vor Kosten dauerhaft frieren. Besonders ältere oder kranke Menschen brauchen ausreichend Wärme.

Wenn die Heizung nicht richtig warm wird, liegt das Problem vielleicht an einem klemmenden Thermostat, Luft im Heizkörper oder einer Störung der Anlage. In einer Mietwohnung sollte dann die Vermietung informiert werden. Ein Heizlüfter kann die Ursache verdecken, aber nicht beheben.

Auch undichte Fenster oder Türen können einen Raum unangenehm machen. Manchmal helfen kleine Verbesserungen. Manchmal ist eine fachliche Beratung nötig. Wer die Rechnung kaum noch bezahlen kann, sollte sich früh beraten lassen, statt still zu frieren oder unbemerkt hohe Stromkosten anzusammeln.

Kinder oder Enkel können beim Ablesen des Typenschilds und beim Rechnen helfen. Sie können auch gemeinsam mit den Eltern oder Großeltern prüfen, warum ein Raum kalt bleibt. Dabei geht es nicht darum, jemandem das Heizen vorzuschreiben. Es geht darum, eine sichere und bezahlbare Lösung zu finden.

Wärme mit Augenmaß

Am Ende durfte Helgas Heizlüfter bleiben. Er bekam allerdings keinen festen Platz im täglichen Abendprogramm. Wir wollten ihn nur kurz einsetzen, wenn schnelle Zusatzwärme wirklich sinnvoll war.

Düse schrieb die einfache Rechnung auf einen Zettel: Leistung, Laufzeit, Strompreis. Heinz prüfte noch einmal den Abstand zum Vorhang. Helga holte eine Decke für ihre Beine.

„Die kostet im Betrieb nichts“, sagte ich.

„Die war aber nicht herabgesetzt“, antwortete Helga.

Ein Heizlüfter ist weder grundsätzlich schlecht noch ein Sparwunder. Er ist ein Gerät für kurze, gezielte Wärme. Wer ihn bewusst benutzt, die Kosten kennt und auf Sicherheit achtet, kann damit kalte Minuten überbrücken.

Wer dagegen jeden Abend stundenlang das Wohnzimmer damit heizt, erlebt später womöglich zwei Überraschungen: eine auf der Stromrechnung und eine bei der Frage, warum die eigentliche Heizung noch immer nicht richtig funktioniert.

Wärme tut gut. Sie sollte nur dort ankommen, wo sie gebraucht wird – im Raum und nicht erst als Schreck auf dem Konto.