Kolumne · Brunos Kolumne

Fastnacht im Alter – Konfetti kennt kein Geburtsdatum

Fastnacht wird mit den Jahren vielleicht leiser, aber nicht weniger fröhlich. Bruno erzählt von Erinnerungen, Gemeinschaft und dem Recht, auch im Alter ein wenig närrisch zu sein.

Inhalt

  1. Erinnerungen tragen Kostüm
  2. Für einen Tag darf der Alltag lockerer sitzen
  3. Leiser feiern ist trotzdem feiern
  4. Sicherheit darf mitfeiern
  5. Wenn Kinder und Enkel mitmachen
  6. Konfetti im Kopf

Früher bedeutete Fastnacht für mich einen vollen Saal, Musik und die sichere Aussicht, am nächsten Morgen meine Stimme zu suchen. Heute brauche ich nicht mehr bis tief in die Nacht zu feiern. Aber wenn irgendwo ein bekanntes Lied beginnt, bewegt sich wenigstens der rechte Fuß noch zuverlässig.

Fastnacht verschwindet nicht mit dem Alter. Sie verändert nur ihre Lautstärke.

Erinnerungen tragen Kostüm

Bestimmte Lieder holen ganze Räume zurück. Den Dorfsaal mit dem Geruch nach Bohnerwachs. Die selbst genähten Kostüme. Den einen Büttenredner, der jedes Jahr denselben Witz erzählte und trotzdem Beifall bekam.

Erinnerungen sind an Fastnacht besonders gesellig. Einer beginnt mit „Weißt du noch?“, und schon sitzen fünf Menschen wieder an einem Tisch, der seit Jahrzehnten nicht mehr existiert.

Das Schöne daran ist nicht, dass früher alles besser gewesen wäre. Es war nur unser Früher. Gemeinsam darüber zu lachen, verbindet.

Für einen Tag darf der Alltag lockerer sitzen

Fastnacht erlaubt einen Rollenwechsel. Der stille Nachbar trägt eine rote Nase. Die ordentliche Tante setzt sich einen schiefen Hut auf. Für ein paar Stunden muss niemand so vernünftig wirken wie sonst.

Gerade im Alter kann das guttun. Viele Tage werden von Terminen, Beschwerden und Pflichten bestimmt. Ein närrischer Nachmittag ändert daran nichts. Aber er erinnert daran, dass im selben Menschen noch immer Freude, Frechheit und Überraschung wohnen.

Man muss dafür nicht tanzen können. Mitklatschen, schunkeln oder einfach zuschauen reicht völlig.

Leiser feiern ist trotzdem feiern

Große Umzüge und volle Säle sind nicht für jeden angenehm. Wer schlecht läuft, schnell friert oder empfindlich auf Lärm reagiert, darf sich eine kleinere Form suchen.

Ein Platz am Fenster, eine Feier am Nachmittag oder zwei bekannte Lieder im Wohnzimmer können genauso schön sein. Wichtig sind kurze Wege, ein Sitzplatz und die Möglichkeit, jederzeit nach Hause oder in einen ruhigen Raum zu gehen.

Menschen mit Demenz können bekannte Musik und vertraute Verkleidungen genießen. Zu viele Reize können aber auch überfordern. Begleitpersonen sollten auf Unruhe achten und nichts erzwingen.

Sicherheit darf mitfeiern

Ein Kostüm sollte warm sein und die Sicht nicht behindern. Feste Schuhe sind wichtiger als die perfekte Verkleidung. Lose Luftschlangen, Kabel und Dekoration gehören nicht in Laufwege.

Wer einen Umzug besucht, verabredet am besten einen festen Treffpunkt. Das ist verlässlicher als die Hoffnung, dass jedes Handy im Gedränge funktioniert. Auch der Heimweg sollte vorher geklärt sein.

Das klingt vernünftig. Fastnacht verträgt erstaunlich viel Vernunft, solange sie nicht die ganze Musik ausschaltet.

Wenn Kinder und Enkel mitmachen

Ein kleiner Besuch von Kindern bringt oft mehr Leben in eine Seniorenrunde als jedes aufwendige Programm. Eine Pappnase, ein gemeinsames Foto und ein Lied genügen.

Die jüngere Generation muss dabei nicht für Dauerunterhaltung sorgen. Es geht um einen geteilten Moment. Vielleicht erzählt die Großmutter von ihrem schönsten Kostüm. Vielleicht zeigt der Enkel einen Tanz, bei dem niemand so genau weiß, was die Arme machen.

Am Ende lachen beide Seiten. Das ist die beste Form von Brauchtum: nicht nur bewahren, sondern miteinander erleben.

Konfetti im Kopf

Ich brauche heute keine laute Nacht mehr. Ein Berliner auf dem Teller, ein bekanntes Lied und ein paar Menschen, die sich nicht zu ernst nehmen, reichen mir.

Fastnacht ist kein Leistungssport. Niemand muss beweisen, wie lange er stehen, tanzen oder feiern kann. Man darf früh kommen, viel sitzen und rechtzeitig gehen.

Die Knie müssen nicht mehr „Helau“ rufen. Wenn im Kopf noch ein wenig Konfetti liegt, ist das vollkommen genug.