Kolumne · brunos meckerkiste Einkaufswagen auf Diät
Preise klettern, Packungen schrumpfen, und der Wagen sieht aus wie Fastenzeit auf Rollen. Bruno rechnet an der Kasse nach – und stellt die unbequemen Fragen.
Brunos Meckerkiste: Einkaufswagen auf Diät
Ich steh an der Kasse, starre aufs Band – der Catwalk der Grundnahrungsmittel. Brot, Milch, Butter, bisschen Gemüse, Käse mit Atemgerät. Nichts Dekadentes. Und trotzdem zwinkert mir das Display zu wie ’ne Parkuhr im Halteverbot: kling, wieder teurer als letztes Jahr. Und vor zwei Jahren. Und vor fünf. Die Preise klettern, wir klettern mit – ohne Geländer.
Früher war der Wagen voll. Vorräte, was Süßes für die Kurzen, eine Flasche Wochenend-Mut. Heute sortiert man wie Bombenentschärfer: erst das Nötigste, dann das, was „vielleicht noch geht“. „Gönn dir“ wurde von „Geht grad so“ gefressen. Bio heißt jetzt Budget, und der Kassenbon ist ein Horrorfilm ohne Happy End.
Das Fiese? Es passiert in Zeitlupe. Ein Produkt weniger hier, ’ne schlau gedrehte Mogelpackung dort. ZACK – der Wagen sieht aus wie Fastenzeit mit Rädern: leerer, braver, kleinlaut. Ein rollendes Tagebuch vom Verlernen des Gönnens. Niemand klatscht, aber alle sparen.
Der Einkaufswagen war mal Symbol für „Leben läuft“. Heute ist er ein Seismograph. Er zeigt, wie unsere Kaufkraft Limbo tanzt: „Wie tief geht’s noch?“ Sicherheit macht Homeoffice, Leichtigkeit hat gekündigt. Und an der Kasse denkt halb Deutschland: „Früher war’s einfacher.“ Spoiler: War’s auch.
Also Butter bei die Fische: Was fliegt bei dir zuerst raus – Käse, Schoki oder die gute Laune? Und ja, ich frage provokant: Wollen wir wirklich weiter brav nickend Minipackungen kaufen und so tun, als wären 400 Gramm plötzlich „Familiengröße“?


