Kolumne · Brunos Viertelrunde

Düse entdeckt einen Carport, der mehr Strom frisst als das ganze Haus – und Heinz bringt den Zollstock mit

Im Viertel leuchtet ein Carport heller als manches Wohnzimmer. Düse sieht die Stromkosten, Heinz die Sicherheit und Bruno fragt sich, ob dort ein Auto parkt oder eine Bühnenshow beginnt.

Inhalt

  1. Heller als der Rest der Straße
  2. Licht für Sicherheit, Wärme für die Spinnen
  3. Der kleine Kasten mit dem großen Hunger
  4. Sicher muss nicht taghell bedeuten
  5. Ein Carport braucht keine Festbeleuchtung

Heller als der Rest der Straße

Es war einer dieser Abende, an denen das Viertel früh dunkel wird. Hinter den Fenstern brannte warmes Licht, irgendwo klapperte Geschirr und aus Biggis Büdche zog der Geruch von Kaffee nach draußen.

Nur ein Haus hielt sich nicht an die ruhige Stimmung.

Der Carport davor leuchtete wie eine kleine Bühne. Zwei Strahler an der Decke, eine Lampe an der Wand und dazu ein Heizstrahler, der seinen roten Schein auf einen leeren Gartenstuhl warf. Das Auto stand still darunter und sah aus, als würde es gleich eine Rede halten.

Düse blieb stehen und legte den Kopf schief.

„Bruno“, sagte er, „da draußen läuft wahrscheinlich mehr Strom als bei dir drinnen, wenn Helga gleichzeitig wäscht, kocht und ihre Serie guckt.“

„Das kann gar nicht sein“, sagte ich. „Helgas Serien haben sechs Staffeln.“

Düse zeigte auf den Heizstrahler. „Der da kennt auch kein Staffelende.“

In diesem Augenblick kam Heinz um die Ecke. Er trug seinen Zollstock bei sich, als hätte das Schicksal ihn persönlich bestellt.

Licht für Sicherheit, Wärme für die Spinnen

Ich verstehe gut, warum jemand seinen Hof hell haben möchte. Niemand läuft gern im Dunkeln über eine Einfahrt. Gutes Licht hilft, Stufen, Kanten und nasses Laub rechtzeitig zu sehen. Es kann auch ein beruhigendes Gefühl geben, wenn man abends nach Hause kommt.

Aber zwischen gut beleuchtet und dauernd angestrahlt liegt ein Unterschied.

„Ein Bewegungsmelder würde reichen“, meinte Düse. „Dann geht das Licht an, wenn jemand kommt, und wieder aus, wenn niemand mehr da ist.“

Heinz hörte nur mit einem Ohr zu. Er hatte den Heizstrahler entdeckt und maß bereits den Abstand zum Holzpfosten.

„Wärme, Holz und irgendwelche Kabel draußen“, murmelte er. „Das ist eine Bekanntschaft, die ich nicht unbeaufsichtigt lassen würde.“

Tatsächlich stand unter dem Carport eine Mehrfachsteckdose auf dem Boden. Daneben lagen ein Ladegerät und ein Verlängerungskabel. Ob alles für den dauerhaften Einsatz im Freien geeignet war, konnte keiner von uns erkennen.

„Wenn feste Leitungen, Steckdosen oder Lampen draußen zweifelhaft aussehen, soll eine Elektrofachkraft draufschauen“, sagte Heinz. „Feuchtigkeit diskutiert nicht. Die sucht sich ihren Weg.“

Dann blickte er wieder nach oben. „Und wozu heizt man einen offenen Carport?“

Helga, die inzwischen zu uns gestoßen war, antwortete: „Damit die Spinnen keine kalten Füße bekommen.“

Der kleine Kasten mit dem großen Hunger

Ein Heizstrahler wirkt harmlos. Er hängt an der Wand, macht sofort warm und hat keinen Schornstein. Doch viele solcher Geräte brauchen 2.000 Watt. Eine Stunde Betrieb bedeutet dann zwei Kilowattstunden Strom. Was das kostet, hängt vom eigenen Tarif ab. Wer den Strahler Abend für Abend mehrere Stunden laufen lässt, sieht das später deutlich auf der Rechnung.

Dauerlicht kann ebenfalls unnötig Geld kosten, besonders wenn noch alte, stromhungrige Strahler verwendet werden. Moderne LED-Leuchten brauchen wesentlich weniger Strom. Am sparsamsten ist aber immer noch das Licht, das nur dann brennt, wenn es gebraucht wird.

Kittel Geli kam mit ihrer Einkaufstasche vorbei und betrachtete das Ganze.

„Für das Geld, das dieser Strahler über den Winter verbraucht, bekommt man wahrscheinlich eine gute Jacke“, sagte sie. „Und die wärmt sogar, wenn der Strom ausfällt.“

Düse nickte. Er hätte am liebsten sofort gemessen, wie viel der Außenbereich verbrauchte. Ein geeignetes Messgerät oder ein eigener Zwischenzähler könne Klarheit schaffen, erklärte er. Bei fest angeschlossenen Anlagen müsse das allerdings fachgerecht geschehen.

„Erst messen, dann meckern“, sagte er.

„Das ist doch gegen Brunos Grundordnung“, meinte Helga.

Sicher muss nicht taghell bedeuten

Wir standen eine Weile vor dem Carport und überlegten, was wirklich nötig wäre. Zwei gut platzierte LED-Leuchten mit richtig eingestelltem Bewegungsmelder hätten vermutlich genügt. Eine Lampe am Weg, eine am Stellplatz. Dazu eine kurze Leuchtdauer, damit niemand plötzlich im Dunkeln steht, das Licht aber auch nicht bis zum Morgen brennt.

Beim Heizstrahler waren wir uns schneller einig. Wenn er überhaupt gebraucht wird, dann nur gezielt, beaufsichtigt und mit genügend Abstand zu Holz, Kartons, Stoffen und allem, was leicht Feuer fangen kann. Ein offener Carport wird durch ihn nicht zum Wohnzimmer. Meist wird nur sehr viel Luft beheizt, die kurz darauf im Viertel weiterzieht.

Auch Ladegeräte müssen nicht das ganze Jahr eingesteckt bleiben. Und eine lose Steckdosenleiste auf feuchtem Boden ist keine Dauerlösung, selbst wenn sie bisher „immer gut gegangen“ ist.

Der Besitzer des Hauses kam an diesem Abend nicht heraus. Vielleicht sah er uns hinter dem Vorhang stehen: Düse mit rechnendem Blick, Heinz mit ausgeklapptem Zollstock, Geli mit Einkaufstasche und mich als Mann, der nur spazieren gehen wollte.

Ein Carport braucht keine Festbeleuchtung

Auf dem Rückweg sagte Helga: „Du weißt schon, dass bei uns im Flur manchmal auch unnötig Licht brennt?“

„Das ist etwas völlig anderes“, antwortete ich.

„Warum?“

Mir fiel nichts Überzeugendes ein.

Vielleicht beginnt vernünftiger Umgang mit Strom genau dort: nicht beim großen Vortrag über andere Leute, sondern beim eigenen Schalter. Wo brauche ich Licht wirklich? Welches Gerät läuft nur aus Gewohnheit? Und ist etwas sicher angeschlossen oder sieht es lediglich vertraut aus?

Ein Carport soll den Weg sicher machen und das Auto schützen. Dafür braucht er weder Dauerlicht noch tropische Temperaturen. Ein wenig Planung, passende Technik und im Zweifel der Blick einer Fachkraft reichen aus.

Heinz klappte seinen Zollstock zusammen. „Sicher und vernünftig“, sagte er. „Mehr verlange ich gar nicht.“

Düse sah noch einmal zum Heizstrahler zurück. „Ich schon. Ich möchte wissen, wer die ganzen warmen Spinnen bezahlt.“