Kolumne · Bohnebein & Co. Die große Streaming-Schlacht – Bohnebein & Co., Folge 4
Vier Menschen, sechs Fernbedienungen und kein gemeinsamer Film. Erst Matze findet die Taste, die wirklich Frieden bringt.
Inhalt
Sechs Fernbedienungen, kein Anfang
Um acht Uhr abends lagen sechs Fernbedienungen auf unserem Couchtisch. Ich wollte eine Dokumentation über U-Boote sehen. Helga bestand auf einer Tanzshow. Rob wünschte sich etwas, in dem niemand schrie oder sang.
Heinz hatte keinen Programmwunsch. Er wollte zuerst die Fernbedienungen sortieren.
Matze lag vor dem Fernseher und machte deutlich, dass er den besten Platz bereits besetzt hatte.
Ich drückte auf die erste Fernbedienung. Der Bildschirm zeigte „Kein Signal“.
„Das fasst den Abend gut zusammen“, sagte Rob.
Das verschwundene Kennwort
Mit der zweiten Fernbedienung öffnete Helga den Streamingdienst. Ihr Profil verlangte eine PIN.
Sie versuchte vier Nullen, vier Einsen und schließlich 1234. Nichts funktionierte.
„Ich habe die PIN notiert“, sagte sie.
„Auf welchem Zettel?“, fragte Rob.
„Das weiß ich im Moment nicht.“
Heinz erklärte, Zugangsdaten gehörten in ein ordentliches System. Ich erklärte, ich hätte ein System: Ich merke mir alles, außer den Dingen, die ich vergesse.
Schließlich tippte Helga die Buchstaben ihres Namens ein. Das Profil öffnete sich.
„Einfach und wirksam“, sagte sie.
Heinz sah aus, als hätte jemand gegen eine wichtige Vorschrift verstoßen.
Jeder drückt einmal
Nun begann das Fernbedienungsroulette. Eine Taste wechselte zu einem anderen Anschluss, eine zweite öffnete die Mediathek, und eine dritte zeigte plötzlich ein fremdes Urlaubsfoto.
„Wem gehört das Kind am Strand?“, fragte ich.
Niemand wusste es.
Heinz legte die Fernbedienungen in einer geraden Reihe aus. „Ab jetzt bedient nur noch eine Person.“
„Wir sind doch keine Grundschule“, sagte Helga.
Rob betrachtete den Bildschirm. „Doch. Eine Grundschule mit Internet.“
Nach weiteren Versuchen fanden wir endlich die Tanzshow.
Die Abstimmung scheitert
Helga war zufrieden. Mir war die Musik zu laut, Rob störte das Jubeln, und Heinz fand die Untertitel schlecht ausgerichtet.
„Das ist Unterhaltung“, sagte Helga.
„Das ist Lärm in Glitzerkleidung“, antwortete Heinz.
Wir einigten uns auf zwanzig Minuten pro Person. Doch bevor der erste Abschnitt vorbei war, verlangte der Fernseher erneut das Kennwort.
Heinz gab zu, es geändert zu haben. Helgas alte PIN sei zu unsicher gewesen.
Für einen Moment war die Fernsehsendung das ruhigste Geschehen im Raum.
Matze übernimmt die Leitung
Während wir über sichere Kennwörter, Programmanteile und Zuständigkeiten stritten, sprang Matze auf den Tisch. Er setzte eine Pfote auf die Fernbedienung.
Der Ton verstummte.
Alle schwiegen.
Auf dem Bildschirm tanzten Menschen lautlos durch glitzernden Nebel. Plötzlich wirkte die Sendung beinahe friedlich. Wir lehnten uns zurück. Niemand verlangte mehr nach U-Booten, Testbildern oder einem anderen Profil.
Eine halbe Stunde später fragte der Fernseher: „Sind Sie noch da?“
Matze drückte mit der Pfote auf „Nein“. Der Bildschirm wurde schwarz.
„Gewonnen hat die Katze“, murmelte ich.
Heinz konnte dagegen nichts einwenden. Matze hatte als Einziger an diesem Abend die richtige Fernbedienung benutzt.


