Kolumne · Brunos Meckerkiste

Die große Einkaufswagen-Apokalypse

Ein herrenloser Einkaufswagen blockiert den Parkplatz. Bruno fragt sich, warum der kurze Weg zur Sammelstelle so schwer geworden ist und warum Rücksicht manchmal nur zehn Schritte braucht.

Inhalt

  1. Ein Wagen auf Abwegen
  2. Mehr als eine Frage der Ordnung
  3. Kleine Rücksicht, große Wirkung
  4. Märkte können es leichter machen
  5. Brunos letzter Schub

Ein Wagen auf Abwegen

Ich komme mit meinen Einkaufstaschen zum Auto. Direkt neben der freien Parklücke steht ein Einkaufswagen schräg auf dem Asphalt. Niemand ist zu sehen. Der Wagen wartet dort, als hätte er seinen Besitzer verloren und beschlossen, nun selbst am Straßenverkehr teilzunehmen.

Ein paar Meter weiter liegt die Sammelstelle. Der Weg dorthin dauert kaum eine Minute. Trotzdem stehen auf vielen Parkplätzen einzelne Wagen zwischen Autos, an Bordsteinen oder mitten im Weg.

Mehr als eine Frage der Ordnung

Ein herrenloser Wagen sieht nicht nur unordentlich aus. An einem Gefälle kann er losrollen und ein Auto beschädigen. Menschen mit Gehhilfe, Rollstuhl oder unsicherem Gang müssen ihm ausweichen. Auch Eltern mit Kinderwagen brauchen freie Wege.

Natürlich kann jemand einen guten Grund haben, den Wagen nicht weit zu schieben. Vielleicht fehlt die Kraft oder plötzlich wird Hilfe gebraucht. Doch bei der Menge der abgestellten Wagen kann nicht jeder Fall ein Notfall sein.

Kleine Rücksicht, große Wirkung

Ein Parkplatz funktioniert nur, wenn jeder ein wenig an die anderen denkt. Der Wagen kommt nach dem Einladen zurück an seinen Platz. Ist die Sammelstelle zu weit entfernt oder schlecht erreichbar, darf man den Markt darauf ansprechen. Gut verteilte und deutlich markierte Stellplätze helfen mehr als ein strenges Schild.

Wer ohnehin in Richtung Sammelstelle geht, kann einen weiteren herrenlosen Wagen mitnehmen. Das ist keine Pflicht zum Aufräumen hinter allen anderen. Es ist eine kleine Geste, die einen Weg wieder frei macht.

Märkte können es leichter machen

Sammelstellen sollten dort stehen, wo Kunden sie tatsächlich erreichen können. Defekte Rollen und klemmende Münzschlösser gehören repariert. Auch ein freundlicher Hinweis am Ausgang kann an das Zurückbringen erinnern, ohne Erwachsene wie ungezogene Kinder anzusprechen.

Beschäftigte ständig zum Einsammeln über den Parkplatz zu schicken, löst das Grundproblem nicht. Ihre Zeit wird an anderer Stelle ebenfalls gebraucht.

Brunos letzter Schub

Ich bringe meinen Wagen zurück und nehme den schräg abgestellten gleich mit. Zwei Wagen, ein Weg, kein Heldentum. Danach ist die Parklücke wieder frei.

Rücksicht zeigt sich selten in großen Reden. Meist besteht sie aus einer Tür, die jemand aufhält, einem freundlichen Wort oder einem Einkaufswagen, der dorthin zurückkehrt, wo er hingehört. Zehn zusätzliche Schritte können erstaunlich viel Zivilisation enthalten.