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Kolumne · Brunos Kolumne

Die große Einkaufswagen-Apokalypse

Früher kehrten Einkaufswagen brav in den Hafen zurück. Heute dümpeln sie kreuz und quer über die Parkplätze – Metallkamele auf Abwegen. Zeit, ihnen die Leine kurz zu nehmen.

  • Früher wurden Einkaufswagen brav zurückgebracht, heute treiben sie herrenlos wie Rettungsboote nach Landgang.
  • Seit etwa 3–5 Jahren: mehr Gleichgültigkeit, weniger Rücksicht – und Parkplätze als Minenfeld.
  • Schuldige: Bequemlichkeits-Piraten, Münzschloss-Mythen, „Bin gleich wieder da“-Matrosen.
  • Lösungsvorschläge: Wagenführerschein, Rückführprämie, klare Ansagen vom Markt – und ein bisschen Anstand.

Helga sagt, ich soll mich nicht aufregen. „Bruno, der Blutdruck!“ – sagt sie, während sie TikTok-Videos über die „10 cleversten Wege, einen Einkaufswagen nie wieder zurückzubringen“ guckt. Da sträuben sich mir die Backenbärte! Leute, was ist los auf unseren Parkplätzen? Früher – und ich rede nicht vom Kaiserreich, sondern von vor ein paar Jahren – hat man den Wagen zurückgebracht. Punkt. Heute stehen die Dinger kreuz und quer wie eine schlecht gelaunte Herde Metallkamele kurz vor Meuterei.

Ich komme vom Einkauf, die Kajüte voll Kartoffeln, und will gemächlich in den Heimathafen tuckern. Was blockiert die Parkbucht? Ein Einzelgängerwagen, schräg gestellt, Räder eingeklemmt im Regenrinnsal, als hätte der Klabautermann persönlich ihn dort geankert. Und daneben drei weitere, zusammengekoppelt wie betrunkene Seemänner, die sich gegenseitig heimschleppen.

Seit drei bis fünf Jahren – so fühlt es sich an – ist wieder Land unter. Das Münzschloss ist entweder abgeschafft, verrostet, oder der Euro passt nicht (angeblich). Dazu kommt das neue Sportgerät „Smartphone“, das offenbar verhindert, dass man zehn zusätzliche Schritte zur Wagenburg geht. „Ich bezahl’ mit Wischiwaschi und wisch’ auch gleich die Wagenpflicht weg“, denkt sich mancher und lässt das Gefährt einfach dort, wo der Wind gerade pfeift.

Die neue Crew der Chaos-Kutter

  • Der Kettensprenger: Fummelt am Münzschloss, murmelt was von „Systemfehler“, gibt auf und lässt den Wagen frei wie eine Möwe.
  • Die Inselbauerin: Stapelt Wagen mitten im Strom – gerne quer zur Fahrspur. Landeinwärts wird’s dann „jemand anders macht’s schon“.
  • Der Regenschirm-Kapitän: Tropfen am Himmel? Abwurf des Wagens neben der eigenen Heckklappe, Anker fallen, Leinen los! Hauptsache, Frisur bleibt im Trockenen.
  • Der Pfandsparer: Braucht den Euro dringend zurück, aber nur sofort. Schiebt den Wagen bis auf 1,5 Meter an die Wagenkette, gibt dann auf – Mission erfüllt: „War doch fast dran.“
  • Die Tetris-Queen: Parkt den Wagen so zwischen den Autos, dass niemand rauskommt, aber das Bild von oben perfekt symmetrisch wäre.

Helga behauptet, das sei alles gesellschaftlicher Wandel. „Die Leute sind gestresst, Bruno!“ Mag sein. Aber ich war Marineoffizier. Stress ist, wenn die Brotzeit über Bord geht und der Smutje kündigt. Ein Einkaufswagen zum Sammelplatz zurück – das ist kein Stress, das ist Zivilisation.

Warum mich das so auf die Planke bringt

Weil es die kleinen Dinge sind, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Du räumst den Wagen weg, ich halte dir die Tür auf, und am Ende kommen alle halbwegs trocken in den Abend. Wenn jeder nur seinen eigenen Kahn im Blick hat, wird aus dem Parkplatz ein Schrottplatz. Und gefährlich wird’s obendrein: rollende Wagen an Schrägen, eingedrückte Türen, gestolperte Senioren. Matze, unser Kater, hat mehr Verkehrsdisziplin beim Sprint über den Flur als mancher beim Schieben auf dem Rewe-Atoll.

Und dann diese Ausredenflotte: „Da war kein Platz mehr!“ – Ach was, die Wagenburg hat mehr Kapazität als Helgas Vorratsschrank vor Weihnachten. „Ich bin doch gleich wieder da!“ – Ja, mit der Ausdauer eines Seemanns beim Landgang. „Der da hat’s auch so gemacht.“ – Seit wann ist „Der da“ mein Kompass?

Was Märkte tun könnten – und was wir tun sollten

  • Wagenführerschein 2025: Ein Schild mit fünf Piktogrammen. Lesen, nicken, schieben, zurückbringen. Wer’s ignoriert, bekommt einen freundlichen Hinweis (und beim dritten Mal ein „Bruno schaut streng“ – reicht meistens).
  • Rückführprämie: Ein Bon über 10 Cent aufs Kundenkonto beim Zurückstecken. Nicht die Welt, aber genug, um aus Faulheit Sport zu machen.
  • Kluge Stellplätze: Wagenburgen dahin, wo die Leute wirklich vorbeikommen, nicht ans Ende der Welt. Und bitte ordentlich markiert – wie ein klarer Kurs im Nebel.
  • Durchsagen mit Humor: Keine Schulmeisterei. Eher: „Kunden, die ihre Wagen zurückbringen, finden zu Hause Schokolade in der Schublade – behauptet Helga.“

Und wir? Wir könnten einfach… na, ihr wisst schon: den Wagen zurückbringen. Das ist wie Zähneputzen: Kurz nervig, langfristig Frieden an Deck. Außerdem senkt es den Blutdruck. Meinen. Helga nickt.

Der Test: Bist du Wagen-Profi oder Deckschrubber?

  1. Du parkst, holst den Wagen – oder nimmst dir unterwegs einen von der Wagenburg.
  2. Nach dem Einkauf räumst du erst die Tüten ein, dann den Wagen weg.
  3. Siehst du einen herrenlosen Wagen, nimmst du ihn mit – ein echter Kapitän rettet, was treiben geht.
  4. Bei Regen ziehst du die Kapuze hoch und nicht die Moral runter.
  5. Du tust es nicht wegen des Pfands, sondern wegen der anderen.

Wer drei Punkte erfüllt, darf an den Steuermann. Wer fünf schafft, bekommt von mir eine unsichtbare Medaille und einen imaginären Anker-Tattoo-Stempel.

Fazit

Einkaufswagen sind wie kleine Schiffe: Sie brauchen einen Hafen und einen, der sie heimführt. Früher hat’s geklappt, heute klappt’s wieder – wenn wir uns einen Ruck geben. Sonst wird der Parkplatz zur Bucht der Belanglosen. Und ganz ehrlich: Dafür sind wir zu alt, zu klug und zu gut erzogen. Leinen los – zurück zur Wagenburg!

Checkliste: Fünf Seemeilen-Regeln für Einkaufswagen

Kurs setzen: Wagen nur dort abstellen, wo Wagen stehen. ☐ Anker lichten: Kein Wagen bleibt frei treibend an Hängen oder in Fahrspuren. ☐ Crewdenken: Wenn du eh Richtung Wagenburg gehst, nimm einen herrenlosen mit. ☐ Signal geben: Ist was defekt (Rad blockiert, Schloss klemmt)? Kurz beim Service melden. ☐ Vorbild sein: Einmal vormachen, zweimal wird’s nachgemacht.

Euer Bruno Bohnebein – der Mann mit der reisefesten Schreibmaschine, der selbst im Sturm noch Wagen zurückbringt.