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Kolumne · bohnebein co die lesesitcom

Der Socken-Gipfel – Bohnebein, Folge 1

Ein einzelner Socken verschwindet. Aus einem Alltagsloch wird ein Staatsakt. Matze schweigt. Verdächtig.

Der Socken-Gipfel

Cold Open, 08:12 Uhr. Küche. Bruno steht vor der geöffneten Wäschekiste wie vor einem offenen Grab. In der Hand hält er einen einsamen, grauen Socken. Er dreht ihn, als würde er gleich eine DNA-Spur finden.

Bruno: „Da ist er. Der Beweis.“ Helga (ohne aufzuschauen, Daumen am Handy): „Wofür?“ Bruno: „Für den Untergang der Ordnung. Er war mal ein Paar.“ Rob (älter, vom Türrahmen aus): „Vielleicht hat er sich getrennt. Manche Beziehungen halten die Schleuderzahl nicht aus.“ Bruno: „Ich rede nicht von Beziehungen, ich rede von… Gerechtigkeit.“

Helga hebt die Augenbraue. „Du willst mir ernsthaft erzählen, du hältst gerade einen Socken wie eine Gerichtsakte?“

Bruno: „Ich halte ihn wie ein Kriegsbericht.“

Matze schlendert durch die Küche. Keine Eile. Keine Schuld. Genau diese Mischung ist immer ein Problem.

Bruno zeigt mit dem Socken auf Matze: „Und der da hat die Ruhe eines Mannes, der alles weiß.“ Helga: „Matze ist ein Kater.“ Bruno: „Umso schlimmer. Der hat Zeit für Intrigen.“

Szene 1: Einberufung des Gipfels. Bruno setzt sich an den Küchentisch, schlägt sein Notizbuch auf und klopft mit einem Kugelschreiber zweimal auf die Tischplatte.

Bruno: „Ich eröffne hiermit den Socken-Gipfel.“ Helga: „Das klingt wie etwas, wofür man in Deutschland ein Formular braucht.“ Rob: „Oder eine Therapie.“ Bruno: „Tagesordnungspunkt eins: Wer hat den zweiten Socken entfernt?“ Helga: „Vielleicht ist er einfach… weg.“ Bruno: „Weg ist kein Zustand. Weg ist ein Täterprofil.“

Heinz kommt rein. Als hätte jemand „Streit“ gerufen. In der Hand: Zollstock. Ohne Anlass. Das ist sein Markenzeichen.

Heinz: „Warum steht ihr so rum?“ Bruno: „Ein Socken ist verschwunden.“ Heinz (blickt auf den Socken): „Welcher?“ Bruno: „Der rechte. Grau. Mit dem kleinen dunklen Streifen.“ Heinz: „Dann ist es kein Zufall. Das ist System.“ Helga: „Heinz, bitte fang jetzt nicht an, Socken nach DIN zu ordnen.“ Heinz: „Zu spät.“

Szene 2: Die Verdächtigen. Bruno schreibt an die erste Seite: VERDÄCHTIGE Er schaut nacheinander in die Runde, als wäre er Ermittler in einer Serie, die ausschließlich in Küchen spielt.

Bruno: „Helga. Motiv: Chaos.“ Helga: „Motiv: Leben.“ Bruno: „Rob. Motiv: Zynismus.“ Rob: „Motiv: Unterhaltung.“ Bruno: „Heinz. Motiv: Ordnung.“ Heinz: „Motiv: Wahrheit.“ Bruno: „Matze. Motiv: …Matze.“

Matze setzt sich, legt den Schwanz ordentlich um die Pfoten und wirkt wie jemand, der gleich als Zeuge geladen wird, aber kein Deutsch spricht.

Helga: „Vielleicht ist der Socken in der Maschine hängen geblieben.“ Heinz: „Unwahrscheinlich. Ich habe die Trommel gestern begutachtet.“ Rob: „Natürlich hast du das.“ Heinz: „Man muss wissen, womit man lebt.“

Bruno steht auf, zieht die Waschmaschinentür auf und starrt hinein. Als würde er gleich jemanden ertappen.

Bruno: „Hallo? Socken? Wenn du da drin bist, klopf einmal!“ Helga: „Bruno, ich schwöre, gleich rufe ich jemanden an.“ Rob: „Wen? Den Socken-Funddienst?“ Helga: „Den Erwachsenen-Funddienst.“

Szene 3: Der Hausflur als Tatort. Heinz marschiert los wie ein Zollbeamter. „Wir suchen systematisch. Erst der Korb. Dann der Weg. Dann die Ablage.“

Rob: „Der Mann macht aus Wäsche einen Krieg.“ Bruno: „Endlich versteht mich jemand.“

Sie gehen Richtung Wohnzimmer. Matze läuft mit. Langsam. Genau hinter Bruno, als wolle er hören, ob sein Name fällt.

Helga bleibt in der Küche, ruft dem hinterher: „Wenn ihr den Socken nicht findet, nehmt halt einen anderen!“ Bruno (dreht sich um, empört): „Ein anderer?! Das ist doch kein Lego!“ Rob: „Doch. Nur mit mehr Scham.“

Im Wohnzimmer steht ein Korb mit „irgendwohin“-Kram: Prospekte, Kabel, ein einzelner Teelöffel und – natürlich – ein fremder Schlüssel, der niemandem gehört.

Heinz hebt den Teelöffel hoch: „Was ist das?“ Helga (aus der Küche): „Keine Ahnung! Der war schon immer da!“ Rob: „Der Teelöffel ist der wahre Hausherr.“

Bruno wühlt im Korb, zieht einen zweiten grauen Socken heraus – aber nicht den richtigen. Er ist ähnlich. Fast. Aber anders.

Bruno: „Fälschung.“ Heinz: „Das ist ein grauer Socken. Du willst mir sagen, du erkennst den Unterschied?“ Bruno: „Der hat eine andere Seele.“

Rob: „Ich wusste nicht, dass Socken seelenpflichtig sind.“

Szene 4: Matze wird auffällig. Matze ist plötzlich weg. Das ist bei Matze nie „weg“. Das ist „arbeitet“.

Bruno: „Wo ist die Katze?“ Heinz: „Wenn er weg ist, ist er im Vorteil.“ Rob: „Oder auf dem Socken.“

Sie hören ein leises Scharren. Aus dem Flur. Bruno geht hin, langsam, vorsichtig – wie man an eine Tür geht, hinter der ein Mensch sitzt, der „wir müssen reden“ gesagt hat.

Bruno öffnet die Tür zum Abstellraum.

Da sitzt Matze. Vor sich: ein kleiner Haufen. Und oben drauf: DER rechte graue Socken. Wie eine Trophäe.

Stille.

Helga kommt dazu. Sie sieht Matze, sieht den Socken, sieht Bruno.

Helga: „Der hat… einen Socken-Schrein gebaut.“ Rob (tritt dazu): „Das ist nicht Diebstahl. Das ist Kunst.“ Heinz: „Das ist Unordnung.“ Bruno (leise): „Das ist Krieg.“

Matze blinzelt langsam. Ein Blinzeln, das sagt: „Beweisstück gesichert.“

Bruno nimmt den Socken hoch. „Warum?“ Matze: miau. Helga: „Er sagt, du hast gestern seine Leckerlis zu hoch gestellt.“ Bruno: „Ich hab sie sicher gestellt!“ Rob: „Und er hat zurückgesichert.“

Tag / Cliffhanger Bruno steckt den Socken ein wie ein Sieger – und will die Tür schließen. Da fällt ihm etwas auf.

Bruno: „Warte… warum liegen hier fünf Socken?“ Heinz: „Wie bitte?“ Rob: „Oh. Jetzt wird’s spannend.“

Matze schaut alle an. Und blinzelt noch langsamer.