Kolumne · Bohnebein & Co. Der Socken-Gipfel – Bohnebein & Co., Folge 1
Ein einzelner grauer Socken ist verschwunden. Für Bruno beginnt eine gründliche Ermittlung – und Matze wirkt verdächtig gelassen.
Inhalt
Ein Socken ohne Partner
Um kurz nach acht stand ich vor der Wäschekiste und hielt einen einzelnen grauen Socken in der Hand. Sein Partner war nicht da.
„Da ist er“, sagte ich. „Der Beweis.“
Helga blickte von ihrem Telefon auf. „Wofür?“
„Für den Zusammenbruch der häuslichen Ordnung. Gestern waren es noch zwei.“
Rob lehnte im Türrahmen und trank Kaffee. „Vielleicht haben sie sich getrennt. Manche Beziehungen überstehen die Schleuderzahl nicht.“
Ich ignorierte ihn. Ein Socken verschwindet nicht einfach. Er wird verlegt, verschluckt oder entführt.
In diesem Augenblick ging Matze durch die Küche. Langsam, ruhig und ohne uns anzusehen. Genau diese Gelassenheit machte ihn verdächtig.
Der Gipfel am Küchentisch
Ich schlug mein Notizbuch auf und erklärte den Socken-Gipfel für eröffnet. Helga setzte sich nur deshalb dazu, weil ihr Kaffee dort stand. Rob blieb, weil er sich Unterhaltung versprach.
Dann kam Heinz herein. Er wollte eigentlich einen geliehenen Schraubendreher zurückbringen. Als er vom fehlenden Socken hörte, legte er den Zollstock auf den Tisch.
„Welcher Socken genau?“, fragte er.
„Grau, dunkler Streifen, rechter Fuß.“
Heinz nickte ernst. „Dann suchen wir systematisch.“
Helga seufzte. „Bitte fangt nicht an, Wäsche nach einer Industrienorm zu ordnen.“
„Zu spät“, sagte Heinz.
Von der Trommel bis zum Wohnzimmer
Zuerst prüften wir die Waschmaschine. Hinter der Dichtung lagen ein Knopf, zwei Münzen und ein Papiertaschentuch, aber kein Socken.
Danach folgten Wäschekorb, Badezimmer und der Weg zum Schrank. Heinz ging langsam voran, als untersuche er einen Tatort. Rob kommentierte aus sicherer Entfernung.
Im Wohnzimmer stand unser Korb für Dinge, die „später“ weggeräumt werden sollten. Darin lagen Prospekte, Kabel, ein Teelöffel und ein fremder Schlüssel, den seit Jahren niemand vermisste.
Ganz unten fand ich einen grauen Socken. Ich hob ihn triumphierend hoch, sah genauer hin und legte ihn wieder zurück.
„Falscher Streifen“, sagte ich.
Rob schüttelte den Kopf. „Ich wusste nicht, dass Socken eine eigene Persönlichkeit haben.“
Matze verrät sich
Plötzlich fiel mir auf, dass Matze verschwunden war. Aus dem Abstellraum kam ein leises Scharren.
Wir gingen in den Flur. Helga blieb hinter uns und erinnerte daran, dass wir vier erwachsene Menschen waren, die einen Socken verfolgten.
Als ich die Tür öffnete, saß Matze vor einem kleinen Haufen aus Stoff. Obenauf lag der vermisste graue Socken.
Für einen Moment sagte niemand etwas.
„Er hat einen Sockenvorrat“, stellte Helga fest.
„Das ist keine Unordnung“, sagte Rob. „Das ist eine Sammlung.“
Heinz zählte fünf Socken. Keiner bildete mit einem anderen ein Paar.
Matze blinzelte langsam. Er zeigte weder Reue noch die Absicht, mit uns zusammenzuarbeiten.
Der Haushalt bleibt ungeklärt
Ich nahm meinen Socken an mich. Matze ließ es geschehen, als gewähre er mir eine Ausnahme.
„Warum machst du so etwas?“, fragte ich.
Er antwortete mit einem kurzen Miau.
Helga übersetzte: „Du hast gestern seine Leckerlis zu hoch gestellt.“
„Ich habe sie sicher verwahrt.“
„Und er hat deine Socken sicher verwahrt“, sagte Rob.
Der Socken-Gipfel endete ohne Protokoll. Der Schraubendreher blieb bei uns, Heinz nahm versehentlich den fremden Schlüssel mit, und Matze setzte sich vor den Abstellraum.
Seit diesem Morgen weiß ich: In einem Haushalt verschwindet nichts. Es wechselt nur die Zuständigkeit.


