Kolumne · Bohnebein & Co.

Der Kühlschrank-Putsch – Bohnebein & Co., Folge 3

Nachts meldet sich Brunos Hunger. Helga hört die Kühlschranktür, Rob sucht Kuchen – und Matze wartet auf seine Gelegenheit.

Inhalt

  1. Ein Licht um zwei Uhr nachts
  2. Die Küche wird voll
  3. Die nächtliche Vereinbarung
  4. Der entscheidende Augenblick
  5. Der wahre Gewinner

Ein Licht um zwei Uhr nachts

Kurz nach zwei schlich ich in die Küche. Ich wollte nur ein kleines Stück Käse. Der Kühlschrank öffnete sich mit einem Geräusch, das in der nächtlichen Wohnung erstaunlich laut klang.

„Wenn du jetzt Käse isst, bist du morgen wieder grantig“, rief Helga von der Couch.

„Ich bin auch ohne Käse grantig. Ich lege nur gelegentlich Pausen ein.“

„Du schleichst übrigens sehr laut.“

Im Türrahmen saß Matze. Er beobachtete mich mit der Geduld eines Tieres, das wusste, dass Menschen früher oder später einen Fehler machen.

Die Küche wird voll

Helga kam herein und fragte, was ich wirklich suche. Als ich „nur ein bisschen Käse“ sagte, glaubte sie mir zu Recht nicht.

Dann öffnete sich die Tür zum Gästezimmer. Rob war an diesem Wochenende bei uns und vom Licht wach geworden.

„Wenn ihr schon eine Nachtsitzung macht: Ist noch Kuchen da?“

„Seit dem Ballon-Paket ist Kuchen ein empfindliches Thema“, sagte ich.

Rob sah trotzdem in den Kühlschrank. Matze sprang auf einen Stuhl, um ebenfalls einen besseren Blick zu bekommen.

Die nächtliche Vereinbarung

Helga schlug die Kühlschranktür zu. „Wir trinken jetzt Wasser und gehen wieder schlafen.“

„Das ist keine Küche mehr“, sagte ich. „Das ist eine Regierung.“

„Dann bin ich die Regierung.“

„Und ich bin die Opposition.“

Rob nahm ein Glas aus dem Schrank. „Ich bin nur zu Besuch und möchte mit keiner Seite verhandeln.“

Matze ließ ein leises Geräusch hören und sah zum Futternapf.

„Der hat vor zwei Stunden gefressen“, sagte Helga.

„Er sieht das offenbar anders“, antwortete Rob.

Der entscheidende Augenblick

Während Helga Wasser einschenkte, öffnete ich den Kühlschrank ein letztes Mal. Wirklich nur, um zu prüfen, ob die Tür richtig schloss.

Matze nutzte die Gelegenheit. Vom Stuhl sprang er auf die Arbeitsplatte, griff mit der Pfote nach einer angeschnittenen Wurst und zog sie heraus.

Alles geschah in wenigen Sekunden. Ich sagte „Nein“, Helga sagte „Matze“, und Rob stellte sein Glas ab, um besser sehen zu können.

Der Kater landete mit der Wurst auf dem Boden und verschwand im Flur.

„Jetzt weißt du, warum der Kühlschrank nachts geschlossen bleibt“, sagte Helga.

Der wahre Gewinner

Wir fanden Matze unter dem Wohnzimmertisch. Die Wurst lag vor ihm, und er verteidigte sie mit einem Blick, der keine Diskussion zuließ.

Helga nahm sie ihm ab. Rob bekam ein Glas Wasser, ich keinen Käse und Matze eine deutliche Ansprache, deren Inhalt ihn wenig beeindruckte.

Zurück im Bett fragte Helga, ob sich der Ausflug gelohnt habe.

„Für Matze schon.“

Am nächsten Morgen war ich tatsächlich grantig. Nicht wegen des Käses, sondern weil der Kater erfolgreicher gewesen war als ich.

Seitdem gilt bei uns: Wer nachts den Kühlschrank öffnet, trägt die Verantwortung für alles, was herauskommt.