Kolumne · Brunos Meckerkiste Brunos Meckerkiste : Heiligabend im Supermarkt – benehmt euch!
Kurz vor Ladenschluss fehlen Gans, Sahne und Geduld. Bruno erinnert daran, dass an der Kasse Menschen sitzen, die ebenfalls Weihnachten feiern möchten.
Inhalt
Der letzte Einkauf vor dem Fest
Am Morgen von Heiligabend öffnet sich die Schiebetür des Supermarkts im Dauertakt. Menschen schieben volle Wagen, suchen Sahne, Orangen und die letzte Gans. Viele wollen „nur noch schnell“ etwas holen. Wenn alle gleichzeitig schnell sein wollen, wird es erstaunlich langsam.
Hinter den Kassen und Regalen arbeiten Menschen seit dem frühen Morgen. Sie füllen nach, beantworten Fragen und versuchen freundlich zu bleiben. Auch sie haben Familien, Pläne und einen Feierabend, der erst beginnt, wenn der Laden wieder ordentlich ist.
Ausverkauft ist keine Beleidigung
Manche Waren sind kurz vor dem Fest nicht mehr da. Das ist ärgerlich, besonders wenn ein wichtiges Essen geplant war. Aber die Person an der Fleischtheke hat die Gans nicht persönlich versteckt. Lautstärke bringt sie auch nicht zurück.
Ein Ersatz ist fast immer möglich. Statt Sahne geht vielleicht eine andere Soße, statt Gans ein Braten oder ein einfacheres Gericht. Weihnachten scheitert selten am fehlenden Lebensmittel. Es leidet eher unter der Stimmung, die wir daraus machen.
Anstand gehört auf den Einkaufszettel
Ein freundliches „Kein Problem“ nimmt Druck aus einer schwierigen Schicht. Ein „Danke“ kostet nichts. Wer warten muss, darf sich ärgern, sollte den Ärger aber nicht an Beschäftigten auslassen. Die meisten können weder Lieferungen herbeizaubern noch Preise ändern.
Auch andere Kunden verdienen Rücksicht. Wagen müssen nicht quer im Gang stehen, und an der Kasse hilft Drängeln keinem. Zehn Minuten Geduld sind kein verlorenes Fest.
Ein kleiner Plan verhindert viel Lärm
Die wichtigsten haltbaren Dinge kann man einige Tage vorher besorgen. Für frische Ware hilft eine kurze Liste und ein Ersatzplan. Wer auf ein bestimmtes Gericht angewiesen ist, bestellt besser rechtzeitig vor.
Doch auch der beste Plan kann scheitern. Dann wird aus dem Festessen eben etwas anderes. Eine Familie, die darüber lachen kann, hat mehr gewonnen als eine Familie mit perfekter Soße und schlechter Laune.
Was am Ende wirklich fehlt
Helga deckt den Tisch, ich koche mit dem, was da ist. Wenn eine Zutat fehlt, improvisieren wir. Was nicht fehlen darf, sind die Manieren.
Darum mein Weihnachtsbefehl ohne Rang und Uniform: Atmen, freundlich bleiben, Ersatz nehmen und den Menschen an der Kasse einen ruhigen Feierabend wünschen. Das ist ein kleines Geschenk. Es passt in keinen Einkaufswagen, kommt aber zuverlässig an.


