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Ratgeber · Pflege & Unterstützung

WG mit 70? Ja! – so gründest du eine Alters-WG, die hält

Bruno zeigt, wie eine Seniorinnen und Senioren-WG wirklich funktioniert: Menschen finden, Erwartungen klären, Verträge sauber wählen, Haushalt fair teilen – plus Barrierefreiheit, Notfallplan und Exit-Strategie. Ohne Krach, mit viel Kaffee.

Inhalt

  1. Warum WG im Alter?
  2. Schritt 1 – Der WG-Kompass (vor der Suche)
  3. Beantworte für dich – später gemeinsam:
  4. Schritt 2 – Menschen finden (ohne Fremdscham)
  5. Schritt 3 – Räume & Lage prüfen (Reality-Check)
  6. Schritt 4 – Vertragsmodelle (kurz & klar, ohne Rechtsberatung)
  7. Schritt 5 – Kosten fair teilen (Brunos „50–30–20“)
  8. Schritt 6 – Regeln, die halten (eine Seite reicht)
  9. Schritt 7 – Pflege & Grenzen (ohne Überforderung)
  10. Schritt 8 – Konfliktlösung (Brunos 3-2-1-Methode)
  11. Schritt 9 – Exit-Strategie (vor Einzug klären)
  12. Brunos WG-Gründungs-Canvas (eine Seite)
  13. Familien-Dreieck: So helft ihr mit
  14. Mini-FAQ (Bruno antwortet)
  15. Brunos Spickzettel „WG, die hält“
  16. Checkliste (zum Abhaken)

Erst reden, dann mieten.

  1. Kompass klären (Werte, Tagesrhythmus, Hilfegrenzen).
  2. Mitbewohner finden (Steckbrief, Probetreffen, 14-Tage-Probe).
  3. Vertragsmodell wählen (alle im Mietvertrag / Untermiete / Zweckvereinbarung).
  4. Regeln kurz & klar: Hausordnung, Putzplan, Kosten-Split, Gäste, Haustiere.
  5. Sicherheit & Pflege: Notfallplan, Vollmachten, wer darf wen anrufen.
  6. Exit-Strategie schriftlich festhalten. Dann: einziehen & alle 6 Wochen WG-Jour fixe.

Warum WG im Alter?

Bruno: „Geteilte Küche, geteilte Sorgen.“ WGs senken Kosten, bringen Gesellschaft, bieten Abwechslung – und ermöglichen Selbstständigkeit trotz kleinerer Handicaps. Entscheidend ist Klarheit: Erwartungen, Regeln, Verantwortungen.

Schritt 1 – Der WG-Kompass (vor der Suche)

Beantworte für dich – später gemeinsam:

  • Lebensstil: Frühaufsteher:in vs. Nachtigall? Ruhe vs. Besuch?
  • Helfen: Wobei helfe ich gern (Einkauf, Kochen, Technik) – und wobei nicht (intime Pflege)?
  • Gesundheit: Allergien, Hilfsmittel, regelmäßige Termine.
  • Barrierefreiheit: Aufzug, bodengleiche Dusche, Haltegriffe, Türbreiten.
  • Privat vs. Gemeinschaft: Zimmergröße, Bad-Quote (ideal: 1 Bad je 2 Personen), Wunsch nach Rückzug.
  • Finanzen: Warmmiete-Rahmen, Puffer, Versicherungen.

Brunos Merksatz: „WG-Kompass zuerst – sonst sucht man blind.“

Schritt 2 – Menschen finden (ohne Fremdscham)

  • WG-Steckbrief schreiben (kurz & warm): Wer bin ich? Was biete ich? Was wünsche ich?
  • Kennenlernen in 3 Etappen:
  1. Telefon/Video (15–20 Min) – Grundsympathie.
  2. Kaffee vor Ort – Barrierecheck + Chemie.
  3. Probe-Wohnen 7–14 Tage (Gästebett/nahe Pension) – Alltag testen.
  • Kompatibilitäts-Fragen (Top 7):
  1. Wie sauber ist „sauber“?
  2. Wie laut/oft Besuch?
  3. Wer kocht wann – gemeinsam/allein?
  4. Nachtruhezeiten?
  5. Haustiere ja/nein?
  6. Alkohol & Rauchregeln?
  7. Was nervt dich richtig?

Schritt 3 – Räume & Lage prüfen (Reality-Check)

  • Muss-Liste: Aufzug/EG, bodengleiche Dusche, Haltegriffe, rutschfeste Böden, gute Beleuchtung, Abstellraum für Hilfsmittel.
  • Umfeld: 300–800 m zu ÖPNV, Hausarzt, Apotheke, Einkauf.
  • Küche als Motor: Großer Tisch (mind. 80×140), Kühlschrankfächer beschriftet, TK-Schublade je Person, FIFO-Kiste für bald fällige Lebensmittel.
  • Sicherheit: Rauchmelder, Feuerlöscher/Branddecke, Hausnotruf optional.

Schritt 4 – Vertragsmodelle (kurz & klar, ohne Rechtsberatung)

  • Alle als Hauptmieter:innen: gleiche Rechte/Pflichten, stabilste Variante; Wechsel erfordert oft Zustimmung Vermieter:in.
  • Eine:r als Hauptmieter:in + Untervermietung: flexibel, aber Abhängigkeit; Untermietverträge schriftlich.
  • WG-Zweckvereinbarung intern: regelt Kosten, Regeln, Auszug, Ersatzsuche – zusätzlich zum Mietvertrag.
  • Versicherungen: Jede Person Privathaftpflicht; Hausrat je nach Besitz/ Zimmer; ggf. Unfallversicherung.
  • Pflege & Geld: Pflegeleistungen sind persönlich, nicht WG-gemeinsam. Aufgaben klar begrenzen (siehe „Pflege & Grenzen“).

Tipp: Alles schriftlich, maximal 2–3 Seiten klarer Sprache.

Schritt 5 – Kosten fair teilen (Brunos „50–30–20“)

  • 50 % Fix: Warmmiete anteilig nach Zimmergröße (oder Köpfe, wenn ähnlich).
  • 30 % Betrieb/Internet/GEZ: durch Köpfe teilen.
  • 20 % Gemeinschaft: Grundnahrungsmittel, Putzmittel, Kaffee – Haushaltskasse (z. B. 20–30 €/Monat/Person) oder App/Strichliste. Sonderfälle: Medikamente, persönliche Pflege/Ernährung nicht aus der Gemeinschaftskasse.

Schritt 6 – Regeln, die halten (eine Seite reicht)

Hausordnung (Beispiel, kondensiert):

  • Ruhe: 22–7 Uhr leise.
  • Besuch: Ankündigung >24 h, Übernachtungsbesuche max. 3 Nächte/Monat je Person.
  • Haustiere: nur mit Zustimmung aller; klare Zuständigkeit.
  • Rauchen: nur außen/auf Balkon (falls erlaubt).
  • Küche: Eigene Fächer, Gemeinschaftskiste, Spülmaschine abwechselnd.
  • Sicherheit: Herd/Ofen check, Haustür zu, Stolperfrei-Flur.
  • Konflikte: erst 1:1, dann WG-Runde, dann Mediations-Buddy (Freund:in/Nachbar:in).

Putzplan (leicht):

  • Woche A: Person 1 Bad, Person 2 Küche, Person 3 Flur.
  • Woche B: rotieren.
  • Monatlich: gemeinsames „Blitz-Großreinemachen“ 45 Min (Timer).

Schritt 7 – Pflege & Grenzen (ohne Überforderung)

  • Ja zu Nachbarschaftshilfe: Essen mitkochen, Einkäufe, Begleitung zum Termin.

  • Nein zu Professionalisierung: Intime Pflege (Waschen, Medikamentengabe) nur durch Pflegedienst/Angehörige.

  • Notfallregeln:

  • Bei Sturz/akut: 112.

  • ICE-Zettel: Angehörigen-Telefon, Hausarzt, Medikation im Umschlag im Flur.

  • Wer darf informieren? Einverständnisse schriftlich (Datenschutz).

  • Hilfsnetz: Pflegedienst, Tagespflege, Hausnotruf, Fahrdienst – Liste am Kühlschrank.

Schritt 8 – Konfliktlösung (Brunos 3-2-1-Methode)

  • 3 Minuten: Jede:r schildert nur Fakten & Wirkung („Wenn das Geschirr steht, esse ich ungern in der Küche“).
  • 2 Vorschläge: Jede Seite macht einen konkreten Vorschlag.
  • 1 Entscheidung: Test für 14 Tage, danach kurzer Check. Regel: Keine Nachtsitzungen. Streit hat Bürozeiten.

Schritt 9 – Exit-Strategie (vor Einzug klären)

  • Kündigungsfristen (Mietvertrag & WG-Vereinbarung) synchronisieren.
  • Nachfolger:in: Mitspracherechte klar definieren (z. B. Vetorecht aus gutem Grund).
  • Inventar: Gemeinschaftssachen auf Liste; bei Auszug Zeitwert/Übernahme klären.
  • Schlüssel & Daten: Rückgabe, Löschung gemeinsamer Zugangsdaten (WLAN, App).

Brunos WG-Gründungs-Canvas (eine Seite)

  • Ziel & Stil: Ruhig/lebhaft? Gemeinsam/allein kochen?
  • Räume: Zimmer m², Bad-Quote, Aufzug, Dusche.
  • Menschen: 3–4 Kernkriterien (Rauchen, Haustiere, Besuch).
  • Vertrag: Modell, Fristen, Kaution.
  • Geld: Miete, Nebenkosten, Kasse.
  • Regeln: Hausordnung in 8 Sätzen.
  • Sicherheit: Notfallplan, ICE, Hausnotruf.
  • Pflegegrenze: Was mache ich / was macht Profidienst.
  • Exit: Nachfolge, Inventar, Daten.

Familien-Dreieck: So helft ihr mit

  • Enkel: Fotos/Video fürs WG-Steckbrief, Technik (Video-Calls, Haushalts-App), Etiketten für Küche/Bad.
  • Kinder: Vertrags-Check (Formalia), Umzug/Barriere-Umbauten organisieren, Notfall-/Kontaktdaten konsolidieren.
  • Gemeinsam: Einzugs-Wochenende mit Blitz-Putz, Möbelmarkierung, Putzplan starten.

Mini-FAQ (Bruno antwortet)

  • „Wie viele Leute sind gut?“ Meist 3–4: genug Dynamik, nicht zu laut.
  • „Gemeinsame Kasse oder strikt getrennt?“ Mischmodell: Grundbedarf gemeinsam, Rest getrennt.
  • „Pflegebedürftig & WG?“ Ja – mit klaren Grenzen und Pflegedienst.
  • „Was, wenn jemand viel Besuch will?“ In Hausordnung Kontext & Grenzen festlegen; bei Konflikt 3-2-1-Methode.

Brunos Spickzettel „WG, die hält“

  1. Kompass vor Vertrag.
  2. Probe-Wohnen 7–14 Tage.
  3. Ein Seiten Hausordnung + rotierender Putzplan.
  4. Kosten nach 50–30–20.
  5. Notfallplan & Pflegegrenzen sichtbar machen.
  6. Exit-Regeln vor Einzug klären.
  7. Jour fixe alle 6 Wochen (30 Min, Timer).

Checkliste (zum Abhaken)

☐ WG-Kompass ausgefüllt (Werte, Alltag, Grenzen). ☐ WG-Steckbrief erstellt & verteilt. ☐ Barriere- & Lage-Check gemacht (Dusche, Aufzug, Arzt/ÖPNV). ☐ Vertragsmodell gewählt; kurze WG-Vereinbarung formuliert. ☐ Versicherungen geprüft (Privathaftpflicht, Hausrat). ☐ Kostenplan angelegt (50–30–20 + Haushaltskasse). ☐ Hausordnung + Putzplan (eine Seite) unterschrieben. ☐ Notfallmappe/ICE-Zettel in der Wohnung hinterlegt. ☐ Pflege-Grenzen & Hilfsnetz schriftlich fixiert. ☐ Exit-Strategie (Fristen, Nachfolge, Inventar) festgehalten.