Seniorenalltag · Gesund bleiben & bewegen

Sturzfallen zu Hause erkennen und beseitigen

Viele Stolperstellen lassen sich in einer Stunde entschärfen. Ein ruhiger Rundgang durch die Wohnung zeigt, wo einfache Änderungen helfen.

Inhalt

  1. Vor dem Rundgang
  2. Die ersten zehn Minuten: Eingang und Flur
  3. Wohnzimmer und häufige Wege
  4. Küche: Greifen statt klettern
  5. Bad und Toilette
  6. Schlafzimmer und Nachtweg
  7. Nicht alles liegt an der Wohnung
  8. Die wichtigsten Sofortmaßnahmen
  9. Kurz merken

Ein Sturz wirkt oft wie ein einzelner unglücklicher Moment. Meist kommen jedoch mehrere Dinge zusammen: wenig Licht, ein loser Teppich, Müdigkeit, Schwindel oder Schuhe ohne Halt. Deshalb lohnt es sich, die Wohnung mit neuen Augen anzusehen.

Der folgende Rundgang dauert ungefähr eine Stunde. Er soll keine perfekte Wohnung schaffen. Ziel ist, die Stellen zu finden, an denen Sie täglich vorbeikommen und an denen eine kleine Veränderung viel Sicherheit bringt.

Vor dem Rundgang

Bitten Sie möglichst eine vertraute Person, mitzugehen. Andere sehen Gewohnheiten, die man selbst kaum noch bemerkt. Legen Sie eine helle Lampe, Klebeband für vorläufige Markierungen und einen Notizzettel bereit. Schwere Möbel oder elektrische Arbeiten sollten später von einer geeigneten Person erledigt werden.

Gehen Sie nicht nur bei Tageslicht durch die Wohnung. Denken Sie auch an den Weg in der Nacht, an nasse Schuhe im Flur und an Tage, an denen Sie müde oder in Eile sind.

Die ersten zehn Minuten: Eingang und Flur

Im Eingangsbereich kommen Taschen, Schuhe, Schirme und Post schnell in den Laufweg. Schaffen Sie einen festen Platz dafür. Schuhe, die täglich gebraucht werden, sollten erreichbar sein, aber nicht mitten im Weg stehen.

Prüfen Sie Fußmatten und Läufer. Wenn sie sich verschieben oder an den Ecken hochstehen, brauchen sie eine rutschhemmende Unterlage oder sollten entfernt werden. Achten Sie auch darauf, ob die Haustür und die Wohnungstür genug Licht haben.

Wohnzimmer und häufige Wege

Gehen Sie den Weg vom Lieblingssessel zur Küche und zur Toilette ab. Sind Kabel, Beistelltische, Pflanzen oder Dekoration im Weg? Muss man seitlich ausweichen? Ein sicherer Laufweg sollte breit genug sein und nicht täglich neu freigeräumt werden müssen.

Teppiche sind besonders kritisch, wenn Kanten hochstehen oder ein Rollator daran hängen bleibt. Eine feste rutschhemmende Unterlage kann helfen. Manchmal ist es sicherer, einen kleinen Teppich ganz wegzunehmen.

Der Weg zum Lichtschalter sollte frei sein. Eine Stehlampe mit losem Kabel schafft sonst eine neue Gefahr. Kabel gehören an die Wand oder in eine geeignete Kabelabdeckung.

Küche: Greifen statt klettern

Häufig gebrauchte Dinge sollten zwischen Knie- und Schulterhöhe stehen. Wer für die Lieblingstasse auf einen Hocker steigen muss, geht jeden Tag ein vermeidbares Risiko ein. Räumen Sie schwere Töpfe, Geschirr und Vorräte so um, dass sie ohne Strecken und Klettern erreichbar sind.

Wischen Sie verschüttete Flüssigkeit sofort auf. Eine rutschhemmende, flache Matte kann an manchen Arbeitsplätzen sinnvoll sein, darf aber selbst keine Kante bilden. Stühle mit Rollen sind keine sichere Aufstiegshilfe.

Bad und Toilette

Nässe, enge Bewegungen und glatte Flächen machen das Bad zu einem wichtigen Prüfpunkt. Liegt eine lose Badematte vor der Dusche? Gibt es einen festen Griff zum Ein- und Aussteigen? Kann die Seife erreicht werden, ohne sich weit zu drehen?

Rutschhemmende Lösungen müssen zum Untergrund passen und regelmäßig gereinigt werden. Saugnapfgriffe vermitteln manchmal Sicherheit, können sich aber lösen. Fest montierte Haltegriffe sollten fachgerecht angebracht werden. Bei Unsicherheit können Wohnberatung, Pflegeberatung oder Ergotherapie helfen.

Schlafzimmer und Nachtweg

Vom Bett zur Toilette sollte der Weg frei und gut beleuchtet sein. Ein Bewegungsmelder oder Steckdosen-Nachtlicht kann helfen. Legen Sie Brille, Telefon und feste Hausschuhe immer an denselben Platz.

Das Bett sollte so hoch sein, dass Aufstehen und Hinsetzen gut gelingen. Wer sich beim Aufstehen schwindelig fühlt, setzt sich zunächst an die Bettkante, bewegt die Füße und wartet einen Moment.

Nicht alles liegt an der Wohnung

Sturzgefahr kann auch durch Sehprobleme, Muskelschwäche, niedrigen Blutdruck, Taubheitsgefühle oder Medikamente steigen. Wer bereits gestürzt ist, häufiger stolpert oder Angst vor dem Gehen entwickelt, sollte dies in der Arztpraxis ansprechen. Medikamente dürfen dabei nicht eigenständig abgesetzt werden.

Ein Bewegungsprogramm für Kraft und Gleichgewicht ist oft ebenso wichtig wie eine sichere Wohnung. Wer aus Angst immer weniger geht, verliert Kraft und wird dadurch häufig noch unsicherer.

Die wichtigsten Sofortmaßnahmen

  • Laufwege freiräumen
  • lose kleine Teppiche sichern oder entfernen
  • Kabel aus dem Weg nehmen
  • Nachtweg beleuchten
  • feste Hausschuhe bereitstellen
  • häufig gebrauchte Dinge gut erreichbar einräumen
  • Bad auf Rutschgefahr und sichere Griffe prüfen
  • offene Punkte für fachliche Hilfe notieren

Kurz merken

Sturzschutz bedeutet nicht, die Wohnung leer zu räumen. Es bedeutet, die täglichen Wege so zu gestalten, dass Licht, Halt und Bewegungsfreiheit zusammenpassen.

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