Seniorenalltag · Gesund bleiben & bewegen

Genug Eiweiß trotz wenig Appetit oder Kauproblemen

Eiweiß hilft, Muskeln und Kraft zu erhalten. Weiche Lebensmittel und kleine angereicherte Mahlzeiten machen die Versorgung leichter.

Inhalt

  1. Wie viel Eiweiß ist sinnvoll?
  2. Eiweiß auf mehrere Mahlzeiten verteilen
  3. Weiche eiweißreiche Lebensmittel
  4. Kleine Portionen gehaltvoller machen
  5. Kauprobleme und Prothesen prüfen
  6. Schluckstörungen sind etwas anderes als Kauprobleme
  7. Warnzeichen für Mangelernährung
  8. Ein einfacher Tagesbaukasten
  9. Kurz merken

Mit zunehmendem Alter verliert der Körper leichter Muskelmasse. Krankheit, wenig Bewegung und ein kleiner Appetit beschleunigen diesen Prozess. Eiweiß, auch Protein genannt, liefert wichtige Bausteine für Muskeln, Haut, Wundheilung und Abwehrkräfte.

Wer schlecht kauen kann, muss dafür nicht jeden Tag Fleisch essen oder große Portionen schaffen. Viele weiche Lebensmittel liefern Eiweiß und lassen sich gut über den Tag verteilen.

Wie viel Eiweiß ist sinnvoll?

Für gesunde Menschen ab 65 Jahren nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Orientierung etwa 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm wären das ungefähr 70 Gramm.

Diese Zahl ist keine persönliche Verordnung. Bei Nierenerkrankungen, schweren Lebererkrankungen oder anderen besonderen Situationen kann eine andere Menge nötig sein. Auch bei Krankheit, Wunden oder Untergewicht sollte der Bedarf fachlich beurteilt werden.

Eiweiß auf mehrere Mahlzeiten verteilen

Der Körper kann Eiweiß besser nutzen, wenn es nicht nur abends auf dem Teller liegt. Versuchen Sie, morgens, mittags und abends eine Eiweißquelle einzuplanen.

Zum Frühstück passen Joghurt, Quark, Ei, Käse oder ein weicher Haferbrei mit Milch. Mittags können Fisch, Hackfleisch, Hülsenfrüchte, Tofu oder ein Eintopf den Hauptteil liefern. Abends sind Frischkäse, Hüttenkäse, ein Omelett oder eine cremige Suppe möglich.

Weiche eiweißreiche Lebensmittel

Gut geeignet sind Naturjoghurt, Skyr, Quark, Pudding auf Milchbasis, Rührei, weich gekochtes Ei, Fisch ohne Gräten und zart gegartes Hackfleisch. Linsen, Bohnen und Kichererbsen lassen sich zu Suppen, Püree oder Aufstrich verarbeiten.

Auch Tofu kann weich gebraten oder in Soßen gegeben werden. Nussmus liefert Energie und etwas Eiweiß, wenn keine Allergie besteht und das Schlucken sicher ist.

Kleine Portionen gehaltvoller machen

Bei wenig Appetit wirken große Teller abschreckend. Bieten Sie kleinere Portionen an und reichern Sie sie an. Ein Löffel Milchpulver oder Quark kann Brei, Suppe oder Kartoffelpüree eiweißreicher machen. Geriebener Käse passt in Soßen und Aufläufe. Ein Ei kann in Suppe oder Kartoffelgerichte eingearbeitet werden.

Wählen Sie Lebensmittel, die die Person gern isst. Genuss ist keine Nebensache. Eine rechnerisch perfekte Mahlzeit hilft wenig, wenn sie stehen bleibt.

Kauprobleme und Prothesen prüfen

Wer nur noch weiche Kost isst, weil Kauen schmerzt, braucht eine zahnärztliche Kontrolle. Druckstellen, lockere Prothesen, trockener Mund und entzündetes Zahnfleisch können die Lebensmittelauswahl stark einschränken.

Schneiden, reiben, dünsten und pürieren Sie Speisen, statt ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Ein geriebener Apfel, weich gekochtes Gemüse und fein gemahlenes Vollkorn sind oft leichter als harte Rohkost.

Schluckstörungen sind etwas anderes als Kauprobleme

Husten beim Essen, eine gurgelnde Stimme, häufiges Verschlucken oder das Gefühl, Nahrung bleibe stecken, können auf eine Schluckstörung hinweisen. Dann reicht es nicht, Speisen selbstständig beliebig zu pürieren oder Getränke anzudicken.

Eine ärztliche und logopädische Abklärung ist wichtig, weil die passende Konsistenz individuell bestimmt werden muss. Ungeeignete Nahrung kann in die Atemwege gelangen.

Warnzeichen für Mangelernährung

Unbeabsichtigter Gewichtsverlust, lockerer werdende Kleidung, deutlich weniger Kraft, häufige Infekte oder schlecht heilende Wunden sollten angesprochen werden. Wiegen Sie bei Verdacht etwa einmal pro Woche unter ähnlichen Bedingungen und notieren Sie den Verlauf.

Ernährungsberatung, Hausarztpraxis und bei Bedarf geriatrische Fachleute können einen persönlichen Plan erstellen. Trinknahrung kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sollte aber nicht ohne Prüfung die normalen Mahlzeiten ersetzen.

Ein einfacher Tagesbaukasten

  • Frühstück: Haferbrei mit Milch und Quark
  • Zwischenmahlzeit: Joghurt oder weicher Käse
  • Mittag: Linsensuppe, Fisch oder Hackgericht mit weicher Beilage
  • Nachmittags: Milchkaffee und kleiner Pudding
  • Abend: Rührei, Frischkäsebrot ohne harte Kruste oder cremige Suppe

Kurz merken

Bei wenig Appetit zählt jeder gut gewählte Bissen. Kleine weiche Mahlzeiten mit Eiweiß sind oft leichter zu schaffen als ein großer Teller am Abend.

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