Seniorenalltag · Gesund bleiben & bewegen Körpergeruch respektvoll ansprechen
Ungewohnter Geruch kann viele Ursachen haben. Ein ruhiges Gespräch unter vier Augen hilft mehr als Andeutungen, Witze oder starke Düfte.
Inhalt
Körpergeruch ist ein sensibles Thema. Wer ihn bemerkt, fürchtet zu verletzen. Wer darauf angesprochen wird, kann sich bloßgestellt fühlen. Schweigen löst das Problem aber nicht immer. Geruch kann durch Kleidung und Pflege entstehen, ebenso durch Inkontinenz, Wunden, Zahnprobleme oder Erkrankungen.
Ein gutes Gespräch trennt die Würde des Menschen von einem konkreten Problem. Die Botschaft lautet nicht: „Mit dir stimmt etwas nicht.“ Sie lautet: „Mir ist etwas aufgefallen, und ich möchte dir helfen.“
Der richtige Rahmen
Sprechen Sie unter vier Augen und in einem ruhigen Moment. Nicht beim Essen, nicht vor Besuch und nicht unmittelbar nach einem Streit. Wählen Sie klare, freundliche Worte und vermeiden Sie Witze.
Ein möglicher Einstieg ist:
Ich möchte etwas Persönliches ansprechen, weil du mir wichtig bist. Mir ist in letzter Zeit ein ungewohnter Geruch aufgefallen. Vielleicht finden wir gemeinsam heraus, woher er kommt.
Beschreiben Sie eine Beobachtung, keine Eigenschaft. „Die Jacke riecht feucht“ ist konkreter und weniger verletzend als „Du riechst immer.“
Erst nach einfachen Ursachen schauen
Kleidung kann nach dem Waschen zu lange feucht liegen, eine Waschmaschine kann verschmutzt sein oder Schuhe trocknen nicht richtig. Handtücher, Bettwäsche, Inkontinenzprodukte und schwer erreichbare Hautfalten sind weitere mögliche Quellen.
Prüfen Sie gemeinsam, ohne eine Kontrolle daraus zu machen. Lüften, Textilien vollständig trocknen, Waschmaschine reinigen und einzelne Kleidungsstücke ersetzen kann bereits helfen.
Pflege an Kraft und Beweglichkeit anpassen
Manchmal fehlt nicht der Wille, sondern die Kraft. Duschen ist anstrengend, der Rücken wird nicht erreicht oder der Weg zur Waschmaschine ist zu schwer. Fragen Sie:
Ist die Körperpflege gerade schwierig geworden? Wobei wäre Unterstützung angenehm?
Ein Duschhocker, gut erreichbare Produkte, Wäschehilfe oder Unterstützung durch einen Pflegedienst kann Selbstständigkeit erhalten. Hilfe sollte so diskret wie möglich sein.
Mögliche gesundheitliche Ursachen
Mundgeruch kann durch Zahnfleischentzündung, Beläge, trockenen Mund oder eine schlecht sitzende Prothese entstehen. Hautgeruch kann bei wunden Hautfalten, Pilzinfektionen oder schlecht heilenden Wunden auftreten. Inkontinenzprodukte müssen passend sein und rechtzeitig gewechselt werden.
Ein neuer süßlicher, chemischer, fauliger oder sehr starker Geruch sollte ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn Fieber, Verwirrtheit, Wunden, Schmerzen oder eine deutliche Allgemeinverschlechterung dazukommen.
Parfüm ist selten die Lösung
Starke Düfte überdecken Geruch nur kurz und können Haut oder Atemwege reizen. Besser ist, die Quelle zu finden. Milde, unparfümierte Pflege erleichtert außerdem die Beurteilung, ob sich etwas verändert.
Wenn die Person abwehrend reagiert
Scham kann wie Ärger aussehen. Bleiben Sie ruhig und diskutieren Sie nicht endlos. Sagen Sie:
Ich wollte dich nicht verletzen. Mir war wichtig, es respektvoll zu sagen. Wenn du möchtest, helfe ich dir bei einem nächsten Schritt.
Bei wiederholtem Geruch und gleichzeitigen Gedächtnisproblemen kann eine ärztliche Abklärung nötig sein. Vielleicht wird Körperpflege vergessen oder eine gesundheitliche Veränderung nicht bemerkt.
Wenn Sie selbst angesprochen werden
Die erste Reaktion darf unangenehm sein. Bitten Sie um eine konkrete Beschreibung: Seit wann? Eher Kleidung, Mund oder Haut? Eine vertraute Person kann bei der Suche helfen. Anhaltender Geruch trotz Pflege ist ein guter Grund für einen Termin, nicht für Selbstvorwürfe.
Ein respektvoller Lösungsplan
- Gespräch unter vier Augen führen
- Beobachtung konkret und ohne Witz benennen
- Kleidung, Schuhe, Bettwäsche und Waschmaschine prüfen
- Pflegehindernisse und Hilfsmittel besprechen
- Mund, Hautfalten, Wunden und Inkontinenz beachten
- ungewöhnlichen neuen Geruch medizinisch klären
- mit der betroffenen Person gemeinsam entscheiden
Kurz merken
Geruch ist ein Problem, das man lösen kann. Die Würde eines Menschen steht dabei nicht zur Diskussion.


