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Ratgeber · Pflege & Unterstützung

Mitlieben statt Mittrinken – Co-Abhängigkeit verstehen & Grenzen

Bruno ordnet Rollen: Erkennen statt Entschuldigen, JA/NEIN-Plan, klare Grenzen und Hilfe holen – ohne Drohen, mit Haltung. Mit Leitfaden, 90-Min-Start, 14-Tage-Plan, Vorlagen & Checkliste.

Inhalt

  1. 1) Co-Abhängigkeit – kurz & ehrlich
  2. 2) Der JA/NEIN-Plan (sichtbar am Kühlschrank)
  3. 3) Gesprächsleitfaden – ruhig, kurz, konkret
  4. 4) Konsequenzen ohne Drohen
  5. 5) Sicherheit zuerst – Notfallplan
  6. 6) Selbstschutz & Entlastung
  7. 7) 90-Minuten-Start (heute)
  8. 8) 14-Tage-Plan „Mitlieben, nicht mittrinken“
  9. 9) Mini-Vorlagen (zum Kopieren)
  10. 10) Typische Stolpersteine & Brunos Antwort
  11. Familien-Dreieck: Wer macht was?
  12. Brunos Spickzettel „Mitlieben“
  13. Checkliste (zum Abhaken)

Hinweis: Allgemeine Orientierung, keine Therapie/ Rechtsberatung. Bei Gewalt, Suizidgedanken, Fahrten unter Alkohol/Drogen: Sofort Hilfe holen (Notruf/Polizei/Beratungsstelle).

Drei Hebel, die tragen:

  1. Klarheit: Du bist nicht Ursache, nicht Heiler:in – du setzt deine Grenzen.
  2. JA/NEIN-Plan: Wobei hilfst du konkret – was nicht mehr? Sichtbar aushängen.
  3. Netz: Beratung/Gruppe für dich, Hilfewege für Betroffene. Sicherheit immer zuerst.

1) Co-Abhängigkeit – kurz & ehrlich

Woran du’s merkst:

  • Du deckst: Ausreden, Lügen, Krankschreibungen.
  • Du kontrollierst: Versteckst Alkohol/Geld, kontrollierst Handy, riechst Gläser.
  • Du übernimmst: Termine, Verantwortung, Schulden – und bist erschöpft/verbittert. Merksatz: Mitlieben ≠ Mittrinken/Mitspielen. Liebe zeigt sich in klaren Grenzen.

2) Der JA/NEIN-Plan (sichtbar am Kühlschrank)

JA (ich unterstütze):

  • Gemeinsam zur Beratung/Ärzt:in/Gruppe.
  • Alkoholfreie Tage/Feiern mitgestalten.
  • Sichere Heimkehr organisieren (Taxi).
  • Gespräch am nüchternen Tag (Zeitfenster, max. 30 Min).

NEIN (ich mache nicht mehr):

  • Alkohol/Spielgeld kaufen, Vertuschen/Anlügen.
  • Diskussion im Rausch.
  • Geld leihen für „dringende Löcher“, die durchs Konsumverhalten entstehen.
  • Mitfahren bei Trinkfahrt / Mitgehen in riskante Situationen.

Schreibe 3 JA + 3 NEIN konkret auf – unterschreiben alle Beteiligten.

3) Gesprächsleitfaden – ruhig, kurz, konkret

  • Zeit/Ort: Tageslicht, nüchtern, 15–30 Min, ohne Publikum.
  • Formel: Fakt – Gefühl – Bitte – Grenze – Weg.

Beispiel:

Fakt: „Gestern hast du getrunken und den Termin verpasst.“ Gefühl: „Ich bin besorgt und müde.“ Bitte: „Ich wünsche mir zwei alkoholfreie Tage diese Woche.“ Grenze: „Wenn du angetrunken bist, spreche ich nicht mit dir.“ Weg: „Ich begleite dich morgen zur Beratung um 10 Uhr.“

4) Konsequenzen ohne Drohen

  • Wenn … dann … (vorher definiert, ohne Wut):

  • Wenn du trinkst, dann fahre ich nicht mit / dann übernachte ich bei [Name].

  • Wenn du Geld willst, dann gibt es Sachleistung (Einkauf), kein Bargeld.

  • Wenn du Hilfe willst, dann gehe ich mit dir zum Termin – wenn nicht, gehe ich allein zu meiner Beratung.

  • Dokumentiere (Datum, Abmachung, was passiert ist). Keine Diskussion im Nachhinein.

5) Sicherheit zuerst – Notfallplan

  • Rote Linien: Gewalt, Drohungen, Fahren unter Alkohol/Drogen, Suizidgedanken → sofort Notruf/Polizei.
  • Codewort mit Familie/Nachbar:in („TEE JETZT“ = bitte kommen/anrufen).
  • Notfalltasche griffbereit (Ausweis, Medikamente, Ladekabel, Geld, Schlüssel, Adressen).
  • Schlaf & Räume: Bei Aggression eigener Rückzugsraum / Tür mit Sicherung.

6) Selbstschutz & Entlastung

  • Eigene Beratung/Gruppe (Co-Angehörige) – du brauchst Halt.
  • Energie-Dreieck: Schlaf, Bewegung, regelmäßiges Essen.
  • Kontakt-Dosis steuern: Zeitfenster für Gespräche, keine Nachtdebatten.
  • Entlastungsinseln: 1–2 feste Termine/Woche nur für dich (Freunde, Kurs, Spaziergang).

7) 90-Minuten-Start (heute)

  1. JA/NEIN-Plan schreiben (je 3 Punkte), sichtbar aushängen.
  2. Gesprächstermin setzen (nüchtern, 20–30 Min) – Leitfaden ausdrucken.
  3. Beratungsnummer/Adresse notieren (für dich & betroffene Person).
  4. Notfalltasche packen + Codewort mit Vertrauten klären.
  5. Eigene Entlastung für diese Woche fix (1 Stunde).

8) 14-Tage-Plan „Mitlieben, nicht mittrinken“

  • Tag 1–2: Erstes Gespräch mit Formel führen; JA/NEIN-Plan unterschreiben.
  • Tag 3: Eigene Beratung/Gruppe kontaktieren (Kurzgespräch reicht).
  • Tag 4: Finanz-Grenzen umsetzen (kein Bargeld; Sachleistungen).
  • Tag 5: Familienbotschaft vereinheitlichen („Wir decken nicht“).
  • Tag 6: Termin für Betroffene Person (Arzt/Beratung) – Angebot zur Begleitung.
  • Tag 7: Wochenreview: Was fiel schwer? Was half?
  • Tag 8: Rückzugsort herrichten (Licht, Ladegerät, Wasser, Buch).
  • Tag 9–10: Konsequenzen einmal konsequent durchführen.
  • Tag 11: Mini-Feier (ohne Alkohol) für deinen Schritt.
  • Tag 12–13: Zweites Gespräch – kurz & freundlich.
  • Tag 14: Plan nachschärfen (1 neue Grenze oder 1 Entlastungsinsel).

9) Mini-Vorlagen (zum Kopieren)

Einladung zum Gespräch

„Mir ist unser Miteinander wichtig. Ich wünsche mir 20 Minuten nüchtern, morgen um 17 Uhr. Mir geht’s um unsere Regeln – nicht um Schuld.“

Grenze setzen

„Ich rede nicht, wenn du getrunken hast. Wir sprechen morgen um 10 Uhr weiter.“

Konsequenz ohne Streit

„Wir haben vereinbart: kein Bargeld. Ich kaufe dir Lebensmittel ein – Rechnung lege ich dazu.“

Hilfe anbieten

„Ich begleite dich Montag zur Beratung. Wenn du nicht willst, gehe ich für mich hin.“

An Familie/Team

„Unsere gemeinsame Linie: nicht decken, nicht bezahlen, nüchtern reden. Gleiche Botschaft, bitte.“

An mich

„Ich bin nicht verantwortlich für den Konsum – nur für meine Grenzen & Sicherheit.“

10) Typische Stolpersteine & Brunos Antwort

  • „Ohne mich schafft er/sie es nicht.“ → Hilfe ≠ Übernahme. Profis + Gruppe dazunehmen.
  • „Wenn ich nicht zahle, landet er/sie auf der Straße.“Sachleistungen, Schuldenberatung – nicht neues Geldloch.
  • „Jetzt ist er/sie lieb – ich lockere Regeln.“Konstanz schlägt Schwung. Regeln gelten auch in guten Tagen.
  • „Er/Sie droht, sich was anzutun.“Ernst nehmensofort professionelle Hilfe / Notruf.

Familien-Dreieck: Wer macht was?

  • Enkel: JA/NEIN-Plan hübsch gestalten, Kühlschrank-Poster, Codewort digital hinterlegen.
  • Kinder: Beratungstermine koordinieren, Finanz-Grenzen mittragen, Notfallnetz anrufen.
  • Gemeinsam: 14-Tage-Plan abhaken, kurze Reviews (10 Min), kleine alkoholfreie Feiern.

Brunos Spickzettel „Mitlieben“

  1. Ich bin nicht Ursache/Heiler:in.
  2. JA/NEIN-Plan sichtbar – Konsequenz ohne Streit.
  3. Nüchtern reden, im Rausch pausieren.
  4. Sicherheit zuerst: Codewort, Notfalltasche, Notruf.
  5. Eigene Beratung/Gruppedu brauchst Halt.

Checkliste (zum Abhaken)

☐ JA/NEIN-Plan erstellt & unterschrieben ☐ Gespräch nüchtern geführt (Formel genutzt) ☐ Finanz-Grenzen umgesetzt (Sachleistung statt Bargeld) ☐ Notfall: Codewort + Tasche + Nummern bereit ☐ Eigene Beratung/Gruppe kontaktiert ☐ Familienbotschaft abgestimmt („nicht decken“) ☐ Eine Konsequenz ruhig umgesetzt ☐ Entlastungsinsel 1×/Woche fix ☐ Wochenreview notiert ☐ 14-Tage-Plan in Gang – Mitlieben statt Mittrinken 💚