Seniorenalltag · Gesund bleiben & bewegen

Wenn ein naher Mensch zu viel trinkt

Angehörige können unterstützen, aber sie können eine Sucht nicht für den anderen lösen. Klare Grenzen schützen beide Seiten.

Inhalt

  1. Verantwortung richtig zuordnen
  2. In einem nüchternen Moment sprechen
  3. Grenzen müssen konkret sein
  4. Sicherheit geht vor
  5. Nicht selbst den Entzug organisieren
  6. Hilfe für Angehörige ist kein Verrat
  7. Den eigenen Alltag zurückholen
  8. Ein erster Plan
  9. Kurz merken

Wer mit einem Menschen lebt, der zu viel trinkt, kennt oft widersprüchliche Gefühle. Da sind Liebe, Sorge und Hoffnung. Gleichzeitig entstehen Wut, Scham, Misstrauen und Erschöpfung. Viele Angehörige versuchen lange, den Alltag zusammenzuhalten.

Sie rufen beim Arbeitgeber an, entschuldigen Ausfälle, verstecken Flaschen oder bezahlen Schulden. Diese Hilfe ist verständlich. Sie kann jedoch unbeabsichtigt dazu beitragen, dass die Folgen des Trinkens unsichtbar bleiben.

Verantwortung richtig zuordnen

Die abhängige Person ist für ihren Konsum und die Annahme von Hilfe verantwortlich. Angehörige sind nicht schuld an der Sucht und können sie nicht durch besonders viel Geduld, Kontrolle oder Liebe beenden.

Das bedeutet nicht, gleichgültig zu werden. Es bedeutet, Hilfe anzubieten, ohne die Verantwortung zu übernehmen.

In einem nüchternen Moment sprechen

Ein Gespräch während eines Rausches führt selten weiter. Wählen Sie einen ruhigen Zeitpunkt und beschreiben Sie konkrete Beobachtungen:

Du bist in diesem Monat zweimal gestürzt, nachdem du getrunken hattest. Gestern hast du deinen Arzttermin vergessen. Ich mache mir Sorgen.

Vermeiden Sie Beschimpfungen und lange Beweislisten. Sagen Sie, was Sie sich wünschen:

Ich möchte, dass wir gemeinsam bei der Hausarztpraxis oder einer Beratungsstelle anrufen.

Die Antwort kann Ablehnung sein. Das macht das Gespräch nicht wertlos. Sie haben die Sorge klar ausgesprochen.

Grenzen müssen konkret sein

Eine Grenze beschreibt, was Sie selbst tun oder nicht mehr tun werden. Sie ist keine Drohung, mit der das Verhalten des anderen erzwungen werden soll.

Mögliche Grenzen sind:

  • Ich fahre nicht mit, wenn du getrunken hast.
  • Ich leihe kein Geld für Alkohol.
  • Ich rufe nicht mehr an und erfinde Entschuldigungen.
  • Wenn du aggressiv wirst, verlasse ich die Wohnung und hole Hilfe.
  • In meiner Wohnung möchte ich keinen Alkohol.

Kündigen Sie nur Grenzen an, die Sie umsetzen können. Ständig zurückgenommene Drohungen erschöpfen und verändern wenig.

Sicherheit geht vor

Bei Gewalt, Drohungen, gefährlichem Autofahren oder hilfloser Bewusstlosigkeit zählt Sicherheit. Bringen Sie sich und andere aus der Situation und rufen Sie bei akuter Gefahr 112 oder die Polizei unter 110.

Eine bewusstlose Person wird nicht „ausgeschlafen“. Atemprobleme und Alkoholvergiftung können lebensbedrohlich sein. Legen Sie die Person bei normaler Atmung in die stabile Seitenlage und bleiben Sie bis zum Eintreffen der Hilfe.

Nicht selbst den Entzug organisieren

Wer körperlich abhängig ist, darf nicht ohne medizinische Einschätzung abrupt aufhören. Zittern, Schwitzen, starke Unruhe, Krampfanfälle oder Verwirrtheit können beim Entzug auftreten. Drängen Sie deshalb nicht zu einem heimlichen „kalten Entzug“ zu Hause.

Der richtige Weg führt über Hausarztpraxis, Suchtmedizin, Klinik oder Beratungsstelle. Dort kann geklärt werden, welche Behandlung sicher ist.

Hilfe für Angehörige ist kein Verrat

Suchtberatungsstellen beraten auch Familienmitglieder, selbst wenn die betroffene Person keine Hilfe möchte. Angehörigengruppen und Selbsthilfe können entlasten, weil dort niemand lange erklären muss, wie zermürbend die Situation ist.

Auch psychotherapeutische Unterstützung kann sinnvoll sein, besonders wenn Angst, Schlaflosigkeit oder depressive Beschwerden entstehen. Sie dürfen Hilfe annehmen, bevor Sie völlig erschöpft sind.

Den eigenen Alltag zurückholen

Pflegen Sie Kontakte, Termine und Interessen, die nichts mit der Sucht zu tun haben. Behalten Sie eigenes Geld und wichtige Dokumente im Blick. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson. Geheimhaltung schützt selten die Familie; sie macht Angehörige oft einsamer.

Wenn Kinder oder Enkel betroffen sind, brauchen auch sie eine altersgerechte Erklärung und verlässliche Erwachsene. Sie sollen nicht die Rolle des Kontrolleurs übernehmen.

Ein erster Plan

  • ruhigen nüchternen Zeitpunkt für ein Gespräch wählen
  • zwei oder drei konkrete Beobachtungen nennen
  • eine Anlaufstelle vorschlagen
  • eigene Grenzen schriftlich festhalten
  • Notfallplan bei Gewalt oder Bewusstlosigkeit kennen
  • selbst eine Beratungsstelle kontaktieren
  • regelmäßig Zeit außerhalb der Suchtproblematik einplanen

Kurz merken

Unterstützung bedeutet: Ich gehe ein Stück mit dir. Sie bedeutet nicht: Ich trage deine Verantwortung und verliere dabei mein eigenes Leben.

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