Seniorenalltag · Gesund bleiben & bewegen

Therapie und Beratung: So finden Sie passende Hilfe

Wenn Sorgen, Angst, Trauer oder Überforderung den Alltag bestimmen, kann fachliche Unterstützung entlasten. Der erste Schritt darf klein sein.

Inhalt

  1. Womit kann ich beginnen?
  2. Beratung oder Psychotherapie?
  3. Den ersten Anruf vorbereiten
  4. Wenn die Suche mühsam wird
  5. Passt die Person zu mir?
  6. Was Angehörige tun können
  7. Bei akuter Krise sofort handeln
  8. Der erste kleine Plan
  9. Kurz merken

Viele Menschen warten lange, bevor sie psychologische oder psychotherapeutische Hilfe suchen. Sie hoffen, dass es von allein besser wird, möchten niemandem zur Last fallen oder denken: „In meinem Alter muss ich das doch selbst schaffen.“

Doch seelische Belastungen sind keine Frage des Alters oder der Willenskraft. Wenn Angst, Niedergeschlagenheit, Trauer, Schlafprobleme oder ständige Anspannung den Alltag bestimmen, ist Unterstützung sinnvoll. Man muss dafür nicht erst völlig zusammenbrechen.

Womit kann ich beginnen?

Die Hausarztpraxis ist für viele Menschen ein guter erster Ort. Dort können körperliche Ursachen geprüft und Medikamente betrachtet werden. Schilddrüsenerkrankungen, Schmerzen, Schlafstörungen oder Nebenwirkungen können die Stimmung beeinflussen. Die Praxis kann außerdem bei der Suche nach weiteren Angeboten helfen.

Sie dürfen sich auch direkt an eine psychotherapeutische Praxis wenden. Für gesetzlich Versicherte gibt es psychotherapeutische Sprechstunden, in denen zunächst geklärt wird, welche Hilfe passend sein könnte. Die Terminservicestelle unter 116117 unterstützt bei der Suche.

Beratungsstellen sind eine weitere Möglichkeit. Es gibt Angebote für Trauer, Sucht, Familie, Pflege, Schulden, Gewalt und allgemeine Lebenskrisen. Viele Beratungen sind kostenfrei oder günstig und teilweise anonym.

Beratung oder Psychotherapie?

Eine Beratung hilft häufig beim Sortieren einer konkreten schwierigen Lage und bei praktischen nächsten Schritten. Psychotherapie behandelt seelische Erkrankungen und länger anhaltende Beschwerden mit anerkannten therapeutischen Verfahren.

Selbsthilfegruppen bieten Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen. Sie ersetzen nicht immer eine Behandlung, können aber Verständnis, Alltagstipps und Halt geben. Niemand muss beim ersten Besuch sofort die eigene Lebensgeschichte erzählen.

Den ersten Anruf vorbereiten

Drei Sätze reichen:

Seit einigen Monaten schlafe ich schlecht und bin ständig ängstlich. Ich ziehe mich zurück und schaffe meinen Alltag kaum noch. Ich möchte wissen, welche Hilfe zu mir passt.

Fragen Sie nach einem Erstgespräch, nach Kosten, Barrierefreiheit und Wartezeit. Wenn Telefonieren schwerfällt, kann eine vertraute Person beim Aufschreiben helfen oder mit Ihrem Einverständnis den organisatorischen Teil übernehmen.

Wenn die Suche mühsam wird

Wartezeiten und Absagen sind leider möglich. Das sagt nichts darüber aus, ob Ihr Anliegen wichtig ist. Führen Sie eine Liste mit Datum, Praxis und Antwort. Fragen Sie nach Wartelisten und kurzfristig frei werdenden Terminen.

Nutzen Sie parallel eine Beratungsstelle, eine Gruppe oder regelmäßige Gespräche in der Hausarztpraxis. Das ist keine vollständige Behandlung, kann aber die Wartezeit überbrücken. Bei einer deutlichen Verschlechterung warten Sie nicht auf den geplanten Termin, sondern suchen früher medizinische Hilfe.

Passt die Person zu mir?

In den ersten Gesprächen dürfen Sie prüfen, ob Sie sich verstanden und respektiert fühlen. Gute Therapie ist nicht immer angenehm; schwierige Themen gehören dazu. Trotzdem sollte erklärt werden, wie gearbeitet wird, welche Ziele verfolgt werden und wie Sie Fragen oder Zweifel ansprechen können.

Sie dürfen sagen:

Ich bin unsicher, ob diese Form zu mir passt. Können Sie mir erklären, wie wir weiterarbeiten würden?

Wenn es nicht passt, kann ein Wechsel sinnvoll sein. Eine höfliche Absage genügt.

Was Angehörige tun können

Angehörige können bei der Terminsuche, der Anfahrt und der Erinnerung helfen. Im Gespräch selbst sollte die betroffene Person im Mittelpunkt bleiben. Fragen Sie vorher, welche Unterstützung gewünscht ist.

Gute Hilfe bedeutet zuhören, nicht jedes Problem sofort lösen. Ein regelmäßiger kurzer Anruf kann wertvoller sein als viele Ratschläge.

Bei akuter Krise sofort handeln

Bei konkreten Suizidgedanken, akuter Selbstgefährdung, Gewalt oder dem Gefühl, nicht mehr sicher zu sein, darf nicht auf einen normalen Termin gewartet werden. Rufen Sie 112, gehen Sie in eine psychiatrische Notaufnahme oder wenden Sie sich an den regionalen Krisendienst. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter 116117 erreichbar.

Bleiben Sie bei einer akut gefährdeten Person und entfernen Sie, soweit gefahrlos möglich, Medikamente, Waffen oder andere unmittelbare Gefahren. Versprechen Sie keine Geheimhaltung.

Der erste kleine Plan

  • Belastung in drei Sätzen aufgeschrieben
  • Hausarztpraxis oder psychotherapeutische Sprechstunde kontaktiert
  • zusätzlich eine Beratungsstelle oder Gruppe geprüft
  • Kosten, Zugang und Wartezeit erfragt
  • vertraute Person eingeweiht
  • Notfallnummern notiert
  • nach dem Erstgespräch die Passung geprüft

Kurz merken

Hilfe zu suchen bedeutet nicht, das eigene Leben aus der Hand zu geben. Es bedeutet, sich für eine schwierige Strecke fachkundige Begleitung zu holen.

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