Ratgeber · Pflege & Unterstützung Hilfe holen ist Stärke – Beratungen, Gruppen & rechtliche Wege
Bruno öffnet drei Türen: Beratung (auch anonym), Selbsthilfe (betroffen & angehörig) und rechtliche Wege für Sicherheit. Mit Erstkontakt-Leitfaden, Vorlagen, 90-Min-Start, 14-Tage-Plan & Checkliste.
Inhalt
- 1) Wo fange ich an? – Die 3 Türen
- 2) Was passiert beim ersten Kontakt?
- 3) Formen der Hilfe (Überblick)
- 4) Angehörige: Mitlieben, nicht mittrinken
- 5) Rechtliche Wege – kurz & klar (DE, allgemein)
- 6) Kosten, Datenschutz, „Muss ich meinen Namen nennen?“
- 7) Vorlagen (zum Kopieren)
- 8) 90-Minuten-Start (heute)
- 9) 14-Tage-Plan „Vom Reden ins Tun“
- 10) Notfall – wann sofort handeln?
- Name __________ Geb. _______
- Diagnosen/Medis (kurz) ______________________
- Allergien ______ ICE-Kontakt ________________
- Hausarzt _______ Beratung ______ Tel _______
- Familien-Dreieck: Wer macht was?
- Brunos Spickzettel „Hilfe holen“
- Checkliste (zum Abhaken)
Hinweis: Allgemeine Orientierung, keine Therapie/Rechtsberatung. Regeln & Angebote unterscheiden sich je Region. Bei akuter Gefahr (Delir, Atemnot, Gewalt, Suizidgedanken) → 112.
- Drei Start-Türen: Hausarzt/Ärztin · kommunale/ freie Suchtberatung (oft kostenfrei & anonym) · Selbsthilfegruppen (für Betroffene und Angehörige).
- Erster Kontakt: kurzes Telefonat, Termin, Schutz zuerst (Entzug/Medis/Schulden/Haftung), dann Ziele & nächster Schritt.
- Rechtliche Wege (kurz): Vorsorgevollmacht/Betreuungsverfügung, rechtliche Betreuung als letzte Option, Selbstsperre (Glücksspiel), Schuldnerberatung.
- Angehörige: Grenzen + JA/NEIN-Plan, eigene Unterstützung.
- Notfall: Warnzeichen kennen und sofort handeln.
1) Wo fange ich an? – Die 3 Türen
- Hausarzt/Ärztin
- Check von Medikamenten, Entzugrisiken, Wechselwirkungen.
- Einweisung in Entgiftung/Tagesklinik möglich; Überweisungen.
- Suchtberatungsstelle (öffentlich/frei)
- Niederschwellig, oft kostenfrei & anonym.
- Klärt: Konsumprofil, Ziele (reduzieren/pausieren/abstinent), Wege (ambulant, stationär, Gruppe), Finanz-/Sozialfragen.
- Selbsthilfegruppen
- Für Betroffene (z. B. alkohol-, spiel-, kaufbezogen) und Angehörige.
- Erfahrungswissen, echte Alltagstipps, kein Zwang zu Redebeiträgen.
2) Was passiert beim ersten Kontakt?
- Kurztelefonat: Anliegen, Sicherheit (Entzug, Suizidrisiko, Gewalt), Termin.
- Erstgespräch (30–60 Min): Konsumverlauf, Gesundheit, Medikationsplan, Ziele, Netz (Familie/Freunde).
- Konkreter nächster Schritt: z. B. ambulante Gespräche (wöchentlich), Selbsthilfe besuchen, medizinische Abklärung, Finanz-/Schuldnerberatung.
3) Formen der Hilfe (Überblick)
- Ambulant: Einzel-/Gruppengespräche, Kurzzeitprogramme (4–12 Wochen), Rückfallprophylaxe.
- Tagesklinisch/Stationär: Entgiftung (medizinisch), anschließend Entwöhnung (Therapieprogramm).
- Ergänzend: Online-/Telefonberatung, Angehörigenprogramme, Bewegung/Schlaf/Stress-Module.
4) Angehörige: Mitlieben, nicht mittrinken
- JA/NEIN-Plan sichtbar: Wobei helfe ich (Termin, Taxi, AF-Tage)? Was tue ich nicht (Bargeld, Decken, Diskutieren im Rausch)?
- Sicherheit zuerst: Codewort, Notfalltasche, Rückzugsort.
- Eigene Hilfe: Angehörigengruppen/Beratung – du brauchst Halt.
- Ein Satz reicht: „Ich bin bereit zu helfen, wenn du Hilfe annimmst.“
5) Rechtliche Wege – kurz & klar (DE, allgemein)
Kein Ersatz für Rechtsberatung. Reihenfolge: freiwillig & einvernehmlich vor Zwang/gerichtlich.
- Schweigepflichtentbindung: erlaubt dem Behandlungsteam, mit einer Vertrauensperson zu sprechen – nur mit Einwilligung.
- Vorsorgevollmacht/Betreuungsverfügung: legt fest, wer später entscheiden darf, wenn man es nicht mehr kann.
- Rechtliche Betreuung (gerichtlich): letztes Mittel, wenn eigenständige Regelung nicht mehr möglich ist (z. B. Finanzen/Gesundheit) – so eng wie nötig.
- Glücksspiel „Stop“: Selbstsperre beim Anbieter; je nach Region ggf. zentrale Sperrdatei (eine Sperre wirkt bei vielen Anbietern).
- Schuldnerberatung: priorisiert Miete/Medikamente/Energie, verhandelt realistische Raten, prüft Abo-/Kreditfallen.
- Fahrtüchtigkeit/Sicherheit: Bei dämpfenden Medis/Alkohol nicht fahren; ggf. ärztliche Klärung.
6) Kosten, Datenschutz, „Muss ich meinen Namen nennen?“
- Beratung häufig kostenfrei, auf Wunsch anonym.
- Therapien (ambulant/stationär) werden i. d. R. über Kassen/Träger abgerechnet – Details im Erstgespräch klären.
- Selbsthilfe: meist kostenlos oder Spendenhut.
- Dokumente: Nur Nötiges teilen; Hausarzt kennt oft die regionalen Wege.
7) Vorlagen (zum Kopieren)
Erstanruf Suchtberatung
„Guten Tag, ich bin [Vorname]. Ich möchte wegen [Alkohol/Glücksspiel/Kaufen/Medikamente] sprechen. Mir ist wichtig: kurz & vertraulich. Haben Sie diese Woche einen Termin?“
Hausarzttermin
„Ich konsumiere [Art, Menge, Häufigkeit] und nehme [Medis]. Ich möchte sicher reduzieren/pausieren. Prüfen wir Entzugrisiken und Optionen?“
Angehörige – Gesprächseinladung
„Mir ist unser Miteinander wichtig. Morgen um 17 Uhr, nüchtern und 20 Minuten. Ziel: Hilfewege & Grenzen.“
Schuldnerberatung
„Ich brauche Unterstützung bei [Schulden/Abos/BNPL]. Ich bringe Kontoauszüge/Briefe mit. Welche Unterlagen fehlen noch?“
Selbstsperre Glücksspiel
„Ich beantrage eine Selbstsperre für [Name, Geb.-Datum] und bitte um schriftliche Bestätigung.“
8) 90-Minuten-Start (heute)
- Medikations- & Konsumliste schreiben (auch OTC/Pflanzen).
- Eine Beratungsnummer wählen & anrufen (5 Min).
- Erstes Ziel notieren: z. B. 2 AF-Tage, App-Limits, Kartengrenze.
- Buddy benennen & Nachricht senden („Darf ich mich melden, wenn’s schwer wird?“).
- Notfallkarte ausfüllen (siehe unten).
9) 14-Tage-Plan „Vom Reden ins Tun“
- Tag 1–2: Erstgespräch geführt, nächsten Termin fix.
- Tag 3: Selbsthilfe besuchen (auch nur zuhören).
- Tag 4: JA/NEIN-Plan mit Angehörigen unterschreiben.
- Tag 5: Finanz-Stopps (Limits, Barbudget), Abo-Fallen kündigen.
- Tag 6: Selbstsperre (Glücksspiel) einreichen.
- Tag 7: Wochenreview (10 Min).
- Tag 8–9: Arzttermin: Entzugrisiko/Medis prüfen.
- Tag 10: Schuldnerberatung wahrnehmen.
- Tag 11–12: Alltagshilfen (Bewegung, Schlafritual) starten.
- Tag 13: Angehörigengruppe testen.
- Tag 14: Plan nachschärfen, nächstes Mini-Ziel setzen.
10) Notfall – wann sofort handeln?
- Entzugssymptome: starke Unruhe, Zittern, Halluzinationen, Fieber, Krampf → 112.
- Atemprobleme/Überdosis (Alkohol + Beruhiger/Opioide) → 112.
- Gewalt/Suizidgedanken → 112/Polizei; nicht allein bleiben.
- Akute Verwirrtheit/Sturz → medizinisch abklären.
Notfallkarte (A6)
Name __________ Geb. _______
Diagnosen/Medis (kurz) ______________________
Allergien ______ ICE-Kontakt ________________
Hausarzt _______ Beratung ______ Tel _______
Familien-Dreieck: Wer macht was?
- Enkel: Telefonnummern speichern, App-Limits/Sperren setzen, Fahrdienst/Taxi organisieren.
- Kinder: Termine koordinieren (Beratung/Arzt/Schulden), JA/NEIN-Plan mittragen, Notfalltasche checken.
- Gemeinsam: Wöchentliche Kurz-Reviews (10 Min), kleine alkoholfreie Etappen feiern.
Brunos Spickzettel „Hilfe holen“
- Eine Tür heute öffnen (Arzt · Beratung · Gruppe).
- Sicherheit zuerst: Entzug/Gewalt/Suizid → 112.
- Angehörige: Grenzen sichtbar, Hilfe anbieten – nüchtern reden.
- Rechtliches: Vollmacht/Betreuung früh klären, Sperren/Schulden angehen.
- Dranbleiben: Termin + nächster Schritt am Ende jedes Gesprächs fix.
Checkliste (zum Abhaken)
☐ Konsum- & Mediliste erstellt ☐ Erste Beratung kontaktiert / Termin fix ☐ Selbsthilfe einmal besucht (oder Termin notiert) ☐ JA/NEIN-Plan mit Angehörigen sichtbar ☐ Finanz-/App-Stopps gesetzt (Limits, Sperren, AF-Tage) ☐ Selbstsperre (bei Glücksspiel) beantragt ☐ Schuldnerberatung gestartet ☐ Notfallkarte/Tasche bereit ☐ 14-Tage-Plan in Gang ☐ Mini-Feier: „Hilfe holen ist Stärke.“ 💚


