Ratgeber · Pflege & Unterstützung Die Begutachtung: MD/Medicproof-Termin stressfrei meistern
Inhalt
- 1) Was wird angeschaut? (kurz & verständlich)
- Gutachter*innen prüfen typische Bereiche des Alltags, u. a.:
- 2) Vorbereitung in 30 Minuten
- 3) Am Tag des Termins – Ablauf
- 4) Formulierungshelfer (zum Vorlesen – kurz & klar)
- 5) Häufige Fehler – und die einfache Lösung
- 6) Nach dem Termin (10-Minuten-Routine)
- 7) Mini-FAQ
- 8) Protokoll-Vorlage (zum Ausfüllen)
- Begutachtung – Protokoll
- Name: __________________ Datum: __________ Gutachter*in: _______________
- MOBILITÄT
- DENKEN / KOMMUNIKATION
- VERHALTEN / PSYCHE
- SELBSTVERSORGUNG
- KRANKHEIT MANAGEN
- ALLTAG & TEILHABE
- STÜRZE / RISIKEN (Daten & Beispiele):
- _______________________________________________________________________
- BESONDERE BEISPIELE (mit Minuten & Häufigkeit):
- 9) Nächster Schritt
- Checkliste (kopierbar)
Die Begutachtung: MD/Medicproof-Termin stressfrei meistern
- Realistischer Alltag statt Heldentaten. Nichts extra „hübsch“ machen.
- Vorbereiten: Protokoll + Unterlagen (Medikamentenplan, Arztbriefe), Beispiele mit Zeitangaben.
- Beim Termin: ruhig bleiben, konkret sprechen („ohne Hilfe nicht möglich“, „täglich“, „20–30 Min.“).
- Nach dem Termin: Notizen ergänzen, auf Bescheid warten, ggf. Widerspruchsfrist merken.
- Familien-Dreieck: Senior*in ehrlich, Kinder strukturieren, Enkel dokumentieren.
Brunos Klartext: „Begutachtung ist kein Casting für ‚Deutschland sucht den Super-Fitten‘. Wer ehrlich zeigt, was nicht geht, kriegt den Pflegegrad, den er braucht.“
1) Was wird angeschaut? (kurz & verständlich)
Gutachter*innen prüfen typische Bereiche des Alltags, u. a.:
- Mobilität (Aufstehen, Treppe, Wege)
- Denken/Kommunikation (Verstehen, Erinnern, Orientierung)
- Verhalten/Psyche (Unruhe, Tag-Nacht-Rhythmus)
- Selbstversorgung (Waschen, Anziehen, Essen/Trinken, Toilette)
- Krankheit managen (Medikamente, Verbände, Messungen)
- Alltag & soziale Kontakte (Tagesstruktur, Gespräche, Teilhabe)
Merke: Häufigkeit + Dauer + Hilfeform (Anleitung, Teilhilfe, Vollhilfe) machen den Unterschied.
2) Vorbereitung in 30 Minuten
- Unterlagen griffbereit: Versichertennr., Medikamentenplan, Arzt-/Therapiebriefe.
- Protokoll (siehe Vorlage unten) durchgehen: konkrete Beispiele + Zeitangaben.
- Hilfsmittel (Rollator, Duschsitz, Inkontinenzmaterial) nicht verstecken.
- Wohnsituation realistisch lassen (keine „Sonderreinigung“ nur für den Termin).
- Fragenliste bereitlegen (Schmerz, Stürze, Nacht-Unruhe, Vergessen von Tabletten).
Familien-Dreieck
- 👵 Senior*in: Nichts beschönigen, Hilfe zulassen.
- 👨👩👧 Kinder: Protokoll + Unterlagen, Beispiele parat.
- 🧒 Enkel: Termin-Reminder, Notizen/Stopwatch, ggf. Video-Klingel im Blick.
3) Am Tag des Termins – Ablauf
- Begrüßung & Kurzgespräch (Vorerkrankungen, Medikamente, Alltag).
- Alltagsaufgaben werden besprochen/teilweise gezeigt (z. B. Aufstehen, Oberteil anziehen).
- Fragen zu Tag/Nacht, Stürzen, Erinnerung, Orientierung, Umgang mit Krankheit.
- Telefon/Video möglich: Kamera stabil, gute Beleuchtung, Hilfsmittel zeigen.
Do & Don’t
- ✅ In Ich-Sätzen + Beispielen sprechen.
- ✅ Schlechte Tage mit erwähnen („3–4×/Woche so“).
- ❌ Kein „Heute geht’s ausnahmsweise gut“ ohne den üblichen Alltag zu erklären.
- ❌ Keine Scham beim Thema Inkontinenz/Stürze – ehrlich sein.
4) Formulierungshelfer (zum Vorlesen – kurz & klar)
- „Ohne Hilfe nicht möglich: Duschen, Anziehen der Kompressionsstrümpfe.“
- „Ich brauche täglich Anleitung für Medikamente, sonst vergesse ich sie.“
- „Jede Nacht zwei Toilettengänge, unsicher, Sturzgefahr.“
- „Anziehen dauert 20–30 Minuten mit Hilfe, sonst klappt es nicht.“
- „Ich verliere den Faden beim Kochen, Herd bleibt an, brauche Aufsicht.“
- „Ich finde die Wohnungstür nicht, verlaufe mich im Hausflur.“
5) Häufige Fehler – und die einfache Lösung
- Stolz & Schönreden → Lösung: ehrlich, Beispiele nennen.
- „Nur gute Tage“ schildern → Lösung: auch schlechte Tage/Häufigkeit sagen.
- Ohne Zeiten → Lösung: Minuten & Wie oft nennen.
- Unterlagen verstreut → Lösung: kleine Mappe/Cloud.
- Hilfsmittel weggeräumt → Lösung: zeigen, was tatsächlich genutzt wird.
6) Nach dem Termin (10-Minuten-Routine)
- Notizen ergänzen: Was wurde gefragt? Was wurde gezeigt?
- Stürze/Unfälle nachtragen (Datum, Situation).
- Bescheid abwarten. Wenn Gefühl „zu niedrig“: Widerspruchsfrist im Kalender (oft 1 Monat – genaue Frist steht im Bescheid).
- Leistungen planen (siehe eigener Artikel), wenn der Bescheid passt.
Familien-Dreieck
- 👵 Senior*in: Bescheid gemeinsam lesen.
- 👨👩👧 Kinder: Fristen/Optionen prüfen (Annahme oder Widerspruch).
- 🧒 Enkel: Bescheid scannen, Ordner aktualisieren.
7) Mini-FAQ
- Soll ich etwas vorturnen? Nur, was sicher ist – keine Risiken. Beschreiben ist völlig okay.
- Darf Familie sprechen? Ja, Angehörige dürfen ergänzen/erklären.
- Zählen Gedächtnis-Sachen auch? Ja – Anleitung/Erinnerung sind wichtig.
8) Protokoll-Vorlage (zum Ausfüllen)
Begutachtung – Protokoll
Name: __________________ Datum: __________ Gutachter*in: _______________
MOBILITÄT
• Aufstehen/Setzen: ______________________ (Zeit: ____ Hilfe: ☐ Anleitung ☐ Teilhilfe ☐ Vollhilfe)
• Treppe/Weg zur Toilette: ______________________________________________
DENKEN / KOMMUNIKATION
• Orientierung/Erinnern (z. B. Datum, Wege): _____________________________
• Verständigung (Telefon, Gespräche): ____________________________________
VERHALTEN / PSYCHE
• Unruhe/Nacht (Häufigkeit): _____________________________________________
• Stimmung/Antrieb: _____________________________________________________
SELBSTVERSORGUNG
• Waschen/Duschen: ____________________ (Zeit: ____ Hilfe: ☐ A ☐ T ☐ V)
• Anziehen (insb. Strümpfe): ____________________________________________
• Essen/Trinken: ________________________________________________________
KRANKHEIT MANAGEN
• Medikamente (Erinnerung nötig? doppelte Einnahmen?): ____________________
• Messungen/Verbände/Inkontinenz: _______________________________________
ALLTAG & TEILHABE
• Kochen/Haushalt/Tagesstruktur: ________________________________________
• Soziale Kontakte: _____________________________________________________
STÜRZE / RISIKEN (Daten & Beispiele):
_______________________________________________________________________
BESONDERE BEISPIELE (mit Minuten & Häufigkeit):
• ______________________________________________________________________
• ______________________________________________________________________
9) Nächster Schritt
Weiter geht’s mit „Der Bescheid: Pflegegrad 1–5 verstehen & typische Fehler“ – wir schauen, was der Brief bedeutet und wie du reagierst.
Checkliste (kopierbar)
☐ Unterlagen bereit (Versichertennr., Medikamentenplan, Arztbriefe) ☐ Protokoll mit Beispielen + Zeitangaben ausgefüllt ☐ Wohn- & Hilfsmittel realistisch belassen (nichts verstecken) ☐ Beim Termin Ich-Sätze, „ohne Hilfe nicht möglich“, Häufigkeit nennen ☐ Schlechte Tage/Stürze benennen (Datum notieren) ☐ Nach dem Termin Notizen ergänzen, Widerspruchsfrist vormerken ☐ Bescheid scannen und in der Familien-Cloud ablegen ☐ Nächsten Schritt planen (Leistungen oder Widerspruch)


